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[Rezension] Ein Rockstar zum Verlieben – Paige Brown

Geposted am 29. April 2017 um 20:21

Paige Brown, Rezension,

Titel: Ein Rockstar zum Verlieben
Reihe: Riverside Love Stories; Band 1
Autorin: Paige Brown
Verlag: Latos Verlag
Erscheinungsjahr: 2017
Einband: Taschenbuch
Seitenanzahl: 290

Meine Wertung: 3 Federn

Klappentext:

Seit vier Jahren tourt Julian Rush schon mit seiner Band durch die USA. Jetzt ist die Luft bei ihm raus. Er will die Band auflösen und nach einem letzten Auftritt in Seattle nach Riverside zurückkehren. Ausgerechnet bei diesem Auftritt trifft er Mila wieder, das einzige Mädchen, das ihm jemals etwas bedeutet hat.
Mila und Rush haben eine schwere Zeit hinter sich, die beide emotional an ihre Grenzen gebracht hat. Am Ende dieser Beziehung ist Mila aus Riverside geflüchtet und Rush musste ins Gefängnis. Mila steckt seit Jahren in einer Ehe fest, die sie einsperrt, und Rush glaubt, überhaupt nichts mehr fühlen zu können. Bis die beiden sich in die Augen sehen. Sie erlauben sich eine einzige Nacht, von der niemand etwas wissen muss. Als Julian am nächsten Morgen aufwacht, ist Mila schon weg und ihm wird klar, er hätte sie nie gehen lassen dürfen. Er versucht alles, um sie zu finden. Am Ende bleibt ihm nur noch ein Weg, ihr zu sagen, was sie ihm bedeutet: Sie muss den Song hören, den er für sie geschrieben hat.

Rezension:

Ich hätte dieses Buch fast nicht rezensiert. Warum nicht? Aufgrund der auf Buchblogs gerade sehr hoch kochenden Diskussion darüber, was bzw wie man eigentlich schreiben und was man als Blogger gut finden und „pushen“ darf. Da geht es um Themen wie sexuelle Belästigung, wie meist junge Männer mit jungen Frauen umgehen, welches Bild gerade Jugendlichen hier von Liebe und Beziehung vermittelt wird. Auch ich bin der Meinung, dass das Bild, welches zumeist in Young und New Adult Büchern vermittelt wird, oft problematisch ist. Man muss diese Bücher schon bewusst lesen und eben auch als das nehmen, was sie sind: Geschichten. Die Frage ist deswegen: Darf ich das Buch dann nicht trotzdem gut finden, wenn ich nicht alles, was in dem Buch passiert gut finde? „Verlieb dich nie in einen Rockstar“ stürzte mich hier in echte Gewissensbisse, denn ich traute mich nicht mehr, zu sagen: Ich fand die Geschichte gut. Eigentlich müsste man dieses Buch nämlich in Grund und Boden verdammen. Julian, oder Rush, wie er lieber genannt werden möchte, ist ein echter Antiheld. Er hat an jeder Hand fünf Frauen oder auch schon in der Highschool junge Mädchen. Er knutscht gerade noch mit der einen Frau rum und wechselt dann zur nächsten. Verwerflich? Definitiv. Das sollte keine Frau, kein junges Mädchen, mit sich machen lassen. Aber… dennoch hat mir die Geschichte gefallen. Sie zog mich schnell in ihren Bann, ich konnte mich herrlich über Rush aufregen. Und damit stehe ich dazu: Ja, ich finde diese Geschichte gut, als genau das, was sie ist. Eine Geschichte. Aber ich finde nicht gut, wie Rush mit Mila und den anderen Mädchen in diesem Buch umgeht.

Mila ist jetzt auch nicht gerade die starke Heldin, die man sich wünscht. Sie ist völlig verschossen in Rush und auch wenn sie am Anfang noch widersteht, so schafft sie es auf Dauer nicht, ihre Gefühle für ihn unter Kontrolle zu bringen. Ich hatte so meine Probleme mit Mila. Zu erwachsen für ihr Alter, aber dabei trotzdem irgendwie recht naiv. Schwierig einzuschätzen, das Mädel.

Rush ist, wie gesagt, ein echter Antiheld. Ich konnte mich weder mit ihm, noch mit seinen Bandkumpanen anfreunden. Saufen, Frauen und Musik scheint der Lebensinhalt der jungen Männer zu sein. Glücklich macht sie das aber definitiv nicht. Das fand ich ganz schön, dass Paige Brown es geschafft hat, dem Leser sehr deutlich vor Augen zu führen, dass Ruhm und von Mädchen angehimmelt zu werden, definitiv nicht ausreicht, um ein glückliches Leben zu führen.

Die Geschichte ist relativ vorhersehbar. Große Überraschungen habe ich nicht erlebt, mich aber auch an keiner Stelle gelangweilt.

Alles in allem fand ich die Geschichte gut geschrieben und habe sie gerne gelesen. Wenn man das Buch nicht liest, dann verpasst man nichts, aber man macht damit auch nichts falsch. Von mir gibt es 3 Federn.

[Rezension] Wie ein neues Leben – Jay Northcote

Geposted am 19. April 2017 um 13:07

Rezension, Cursed Verlag, Jay Northcote

Titel: Wie ein neues Leben
Autor: Jay Northcote
Verlag: Cursed Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Einband: Taschenbuch
Seitenanzahl: 252

Meine Wertung: 3 Federn

Klappentext:

Joels Leben könnte nicht besser sein: Er führt eine glückliche Beziehung mit Dan und mit der Mutter seiner über alles geliebten, dreijährigen Tochter verbindet ihn ein enges Verhältnis. Doch ein tragischer Unfall verändert alles. Als alleinerziehender Vater muss Joel nicht nur den Verlust einer guten Freundin verarbeiten, sondern auch einsehen, dass die Beziehung mit Dan dieser Belastung nicht standhält. Ausgerechnet in dieser dunklen Zeit lernt er Krankenpfleger Liam kennen. Sie fühlen sich einander sofort verbunden, aber Joel zögert. Kann er sich wirklich auf Liam einlassen, nachdem er bereits so viel verloren hat?

Rezension:

„Wie ein neues Leben“ ist ein Buch, in dem man sich auf Anhieb wohlfühlt. Der Schreibstil ist flüssig und das Leben von Joel, Claire und Evie ist, trotz dessen, dass Joel und Claire nicht zusammen sind, traumhaft. Bis es zu einem tragischen Unglück kommt und Joel plötzlich als alleinerziehender Vater dasteht.

Joel ist ein liebevoller Vater, der sich wirklich gut um Evie kümmert. Dennoch hätte ich gedacht, dass er, als ausgebildeter Pädagoge, sich deutlich mehr damit auseinandersetzt, wie Evie die Trauer um ihre Mutter bewältigen kann. Ich fand es ziemlich hart, wie er einem Kindergartenkind erklärt, dass die Mutter jetzt tot ist und nichts mehr fühlt, nichts mehr merkt. Joel ist Atheist und in gewisser Weise kann ich nachvollziehen, dass er seinem Kind nichts von einer Mutter im Himmel, auf einer Wolke, etc. beibringen möchte, wenn er selbst nicht daran glaubt. Dennoch denke ich, dass es die Sache für Evie leichter gemacht hätte. Meiner Ansicht nach versucht er mit viel zu erwachsenen Erklärungen Evie Claires Tod nahe zu bringen. ich fand das schwer zu ertragen. Auch er selbst setzt sich eher wenig damit auseinander, was Claires Tod jetzt für die kleine Familie bedeutet.

Alle Protagonisten sind sympathisch. Selbst Dan, der mit seinen 19 Jahren einfach noch sehr unreif ist, ist hier nicht der Antiheld. Er versucht Joel so gut, wie es ihm eben möglich ist, zur Seite zu stehen, ist damit aber völlig überfordert.

Liam taucht unvermittelt, wie der Retter auf und auch das konnte mich nicht ganz überzeugen. Er ist schon wieder zu gut, um wahr zu sein. Das genaue Gegenteil von Dan. Er ist derjenige, der noch ein bisschen Tiefe in die Geschichte bringt. Auch Liam ist sehr sterotyp gezeichnet, aber er macht sich Gedanken, setzt sich mit sich selbst, mit Joel und der Beziehung auseinander. Und, er ist absolut traumhaft zu Evie. Damit hat er mein Herz erobert.

Für mich waren die Charaktere alle ein bisschen zu einseitig gestrickt. Liam ist immer nur der Tolle, Dan derjenige, auf den der Leser (vermute ich) etwas sauer sein soll, da er flatterhaft ist. Es fehlten beiden Figuren die Ecken und Kanten.

Tiefgang kam für mich nur an der Stelle auf, an der Joel sich damit auseinandersetzt, ob er für eine Beziehung mit Liam bereit ist. Zwischen den beiden Männern entstand ein wirklich schönes und auch beeindruckendes Gespräch. Mir reicht das aber nicht. Das Thema, welches hier als Aufhänger für die Geschichte genommen wird, hätte mehr Tiefe verdient gehabt.

Insgesamt hat mich die Geschichte, trotz des wirklich angenehmen Schreibstils des Autors unbefriedigt zurückgelassen. Ein bisschen mehr Tiefgang und ein bisschen mehr Auseinandersetzung mit dem großen Verlust, den Joel und Evie erlitten haben, hätte der Geschichte sicher gut getan. Ich vergebe 3 Federn. Wenn ihr dieses Buch lest, dann macht ihr absolut nichts falsch, aber erwartet nicht zu viel. Ihr bekommt eine leicht oberflächliche, aber sehr schöne Geschichte mit und fürs Herz.

Eine weitere Rezension habe ich für euch aufgestöbert:
El Ma liest & träumt

[Rezension] Nerve – Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen – Jeanne Ryan

Geposted am 22. März 2017 um 14:16

Rezension, Jeanne Ryan, cbt Verlag

Titel: Nerve – Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen
Reihe:
Einzelband
Autorin:
Jeanne Ryan
Verlag: cbt (Random House Verlage)
Erscheinungsjahr: 2016
Einband: Taschenbuch
Seitenanzahl: 320

Meine Wertung: 3 Federn

Klappentext:

Eigentlich will Vee gar nicht mitspielen bei diesem neuen Online-Spiel, bei dem man ständig neue peinliche »Challenges« bekommt, die sofort ins Netz gestellt werden. Aber um einen Jungen auf sich aufmerksam zu machen, der ihr gefällt, wagt sie es dann doch. Zumal Preise locken, denen sie nicht widerstehen kann, wie zum Beispiel die Schuhe ihrer Träume. Noch dazu sieht Ian, der ihr als Spielpartner an die Seite gestellt wird, wirklich gut aus. Erst macht es Spaß. Aber dann werden die Challenges heikler und heikler, und die Fans treiben Vee dazu, immer mehr zu riskieren. Schließlich werden Vee und Ian zusammen mit fünf anderen Spielern an einen geheimen Ort gebracht, wo die letzte Runde stattfindet. Es geht um alles oder nichts und auf einmal steht ihr Leben auf dem Spiel …

Rezension:

Ich bin ein bisschen hin und her gerissen, wusste auch nicht so genau, wieviele Federn ich eigentlich vergeben will. Eigentlich hat mir die Geschichte ganz gut gefallen, denn sie ist lebendig geschrieben und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Andererseits waren mir die beiden Hauptpersonen ein bisschen zu oberflächlich (Vee) und zu berechnend (Ian). Auch die Challenges waren mir für einen Jugendroman ab 14 Jahren zu sehr auf Sex ausgelegt.

Vee ist schon arg naiv und es fiel mir schwer nachzuvollziehen, warum sie wie handelt. Sie ist recht sprunghaft in ihrem Verhalten und agiert manchmal sehr kindisch. Das Verhältnis zu ihren Eltern ist nicht wirklich nachvollziehbar. Vee ist eigentlich total schüchtern, lässt sich aber ohne groß überredet werden zu müssen auf das Spiel ein. Nachdem sie zuerst bei einer sehr einfachen Aufgabe total weiche Knie hat, scheinen ihr die später sehr harten Aufgaben kaum etwas auszumachen. Auf mich wirkte das einfach merkwürdig, denn ein Mensch ändert sich ja nich innerhalb weniger Tage um 180 Grad. Das kann durchaus realistisch sein, aber dazu hätte die Autorin das Ganze irgendwie realistischer schreiben müssen, Vees Entwicklung besser nachvollziehbar machen.

Auch die Nebenfiguren blieben alle relativ blass. Zu keiner konnte ich ein Verhältnis aufbauen. Ich muss gestehen, dass ich inzwischen fast alle Namen wieder vergessen habe und es ist nicht lange her, dass ich das Buch gelesen habe. Das ist kein gutes Zeichen. Daran erkenne ich eben genau das, das mich die Charaktere nicht berühren konnten.

Die Geschichte an sich ist sehr spannend geschrieben. Ich wurde schnell in die Geschichte hineingezogen und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Trotzdem möchte ich nur 3 Federn vergeben, da ich einfach finde, dass die Autorin der Geschichte noch deutlich mehr Tiefe hätte verleihen können, wenn die Figuren sich mit ihrem Handeln auseinandergesetzt hätten. Das Buch bietet, ähnlich wie „Die Tribute von Panem“, die ich gerade gehört habe, sehr viele Ansätze für gesellschaftskritische Themen. Leider ist die Autorin einfach an dieser Auseinandersetzung vorbeigeschliddert. Das Potential, das in dieser Geschichte steckt, wurde aus meiner Sicht nicht aufgegriffen und aufgearbeitet.

Weitere Rezensionen findet ihr unter anderem bei:
Zantalias Büchertraum
his + her books
Bücherfantasien
Bücherparadies
Iliys Bücherblog
Patchi´s Books

[Rezension] Nähe auf Zeit – Barbara Elsborg

Geposted am 19. März 2017 um 16:32

Barbara Elsborg, Rezension, Cursed Verlag

Titel: Nähe auf Zeit
Autorin: Barbara Elsborg
Verlag: Cursed Verlag
Erscheinungsjahr: 2017
Einband: ebook
Seitenanzahl: 402

Meine Wertung: 3 Federn

Klappentext:

Musikstudent Tyler hat eine tiefsitzende Angst: Schulden. Um diese so gering wie möglich zu halten, würde er alles tun. Auch seinen Körper auf Sexpartys verkaufen, auch wenn ihm das zutiefst widerstrebt. Als eine dieser Partys außer Kontrolle gerät und er plötzlich in höchster Gefahr schwebt, rettet ihm der wohlhabende Haris das Leben. Als Haris von seinen Geldproblemen erfährt, bietet er ihm an, ihn für vier Monate zu kaufen. Tyler kann dem Angebot nicht widerstehen, denn das bedeutet, den Sexpartys für immer den Rücken kehren zu können. Während der gekauften Zeit kommen sich beide näher, sind jedoch fest entschlossen, dem jeweils anderen nicht vollständig zu vertrauen. Denn in ihren Herzen schlummern Geheimnisse, die ihre Beziehung zueinander grundlegend verändern könnten…

Rezension:

Eigentlich beschreibt der Klappentext schon fast alles, was in diesem Buch passiert. Ich muss gestehen, dass ich mir irgendwie mehr Emotionen gewünscht hätte. Der Titel „Nähe auf Zeit“ implizierte für mich, dass zwischen Haris und Tyler eine Art von Nähe (auf Zeit) entsteht. Aber, eigentlich hätte ich nur dem Klappentext vertrauen sollen, denn, genau wie es dort steht kommen sie sich zwar näher, vor allem körperlich, aber sie sind fest entschlossen, den anderen nicht zu vertrauen. Es kommt zu Missverständnissen und gegenseitigen seelischen Verletzungen.

Beide Männer, sowohl Haris, als auch Tyler haben eine schwere Vergangenheit hinter sich, die dem Leser nach und nach offenbart wird. Ich konnte bei beiden durchaus verstehen, warum sie so verschlossen sind und sich weigern, dem jeweils anderen rückhaltlos zu vertrauen. Dennoch hätte ich mir, im Laufe der Geschichte gewünscht, dass sich nach und nach etwas mehr Vertrauen aufbaut. Der Titel „Nähe auf Zeit“ hätte dies für mich eigentlich impliziert, den „Nähe“ verbinde ich mit Vertrauen. Ich hatte hier allerdings eher das Gefühl, dass sich das Wort „Nähe“ auf körperlicher Nähe bezieht, denn heißen Sex gibt es in diesem Buch genug. Für meinen Geschmack hart an der Grenze zu zuviel. Ich meine, es kann doch nicht sein, dass beide, sobald sie den anderen nur sehen, nicht mehr in der Lage sind, ihre Geschlechtsteile unter Kontrolle zu halten. Egal, in welcher Lage, egal wo sie sich gerade befinden. Also: nie… Ich fand es einfach einen Tick zu übertrieben.

Berührt hat mich die Szene ganz zu Beginn, in der Haris und Tyler sich kennenlernen und Haris Tyler aus einer extremen Lage befreit. Da kam durchaus Gefühl auf. Man merkt Haris an, dass er ein sehr einfühlsamer Mann ist, der sich um andere sorgt. Auch im Laufe der Geschichte fanden sich immer wieder kleine Szenen, die Nähe hätten heraufbeschwören können, aber die Autorin ist jedes Mal genau nach einer solchen Szene wieder abgebogen. Das kann durchaus als Element der Spannung bezeichnet werden, wurde aber irgendwann ermüdend.

Humor brachte Wilson in die Geschichte. Haris persönlicher Kammerdiener, Fahrer, Mädchen für alles (außer Sex) ist ein kleiner Hypochonder, aber hat das Herz auf dem rechten Fleck. Er steht Haris und später auch Tyler treu zur Seite, ist immer da, wenn er gebraucht wird, auch wenn es ihn gefühlt umbringt. Er ist und bleibt halt ein Hypochonder. Ein ganz wundervoller Charakter.

Der Schreibstil von Barbara Elsborg ist durchaus ansprechend. Er liest sich sehr flüssig und man kommt sehr schnell durch die Seiten. Das Kopfkino wird angesprochen und die Autorin überschreitet nie eine bestimmte Grenze. Erotisch, nie geschmacklos und sehr bildhaft kommen die vielen Sex-Szenen daher.

Von mir gibt es 3 Federn für einen Gay-Romance Roman, der mich nicht ganz überzeugen konnte, aber durchaus lesenswert ist.

Eine weitere Rezension habe ich hier für euch aufgestöbert:
lesenswert-empfehlenswert

[Rezension] Mein Herz und deine Krone – Heather Cocks & Jessica Morgan

Geposted am 13. März 2017 um 13:02

Rezension, Jessica Morgan, Heather Cock, blanvalet Verlag

Titel: Mein Herz und deine Krone
Reihe: Einzelband
Autor: Heather Cock und Jessica Morgan
Verlag: blanvalet
Erscheinungsjahr: 2017
Einband: Taschenbuch
Seitenanzahl: 700

Meine Wertung: 3 Federn

Klappentext:

Eigentlich wollte Rebecca Porter, genannt Bex, sich in Oxford ganz auf die Uni konzentrieren. Doch als sie in das gleiche exklusive Wohnheim wie Prinz Nicholas, zukünftiger König von England, einquartiert wird, kommt alles anders. Trotz seiner allgegenwärtigen Bodyguards und überbesorgter Freunde kommen Bex und Nicholas sich näher – und Bex wird in eine Welt geworfen, die ihr völlig fremd ist, sowohl die guten Seiten (tolle Urlaube, Dinner im Palast) als auch die schlechten (Klatschpresse, nervige Familie). Und am Abend vor der Hochzeit des Jahrhunderts muss Bex sich fragen, ob sie für ihre große Liebe Nicholas wirklich ihr ganzes Leben aufgeben kann …

Rezension:

Die Anlehnung an das aktuelle britische Königshaus ist, nicht nur unterschwellig, vorhanden. Sei es Queen Mum, Queen Eleanor, die auf hochgezüchtete Rennpferde steht, Prinz Richard, der nie zum Zuge kommt, König zu werden und eigentlich eine andere Frau liebt, als die, mit der er verheiratet ist. Nicholas von Wales, der charmante, gebildete Prinz, der sich in jeder Situation zu benehmen weiß und seine zukünftige Frau auf dem College kennenlernt sowie sein Bruder Fred, der Party-Prinz, der jeden Tag eine andere Frau vernascht und nichts dagegen hat, auch mal mit seinen Eskapaden in der Zeitung zu erscheinen. Na, klingelt es? Viel Arbeit damit, ihre Figuren zu gestalten, mussten sich die beiden Autorinnen somit nicht machen. Man hat natürlich sofort bestimmte Personen vor Augen.

Der Schreibstil ist leicht zu lesen und die 700 Seiten fliegen recht schnell am Leser vorbei. Es ist nicht so, dass man das Buch aus der Hand legen möchte. Allerdings haben mich der viele Alkohol und das viele Gerede über Sex genervt. Sind junge, aus der Oberschicht stammende, Collegestudenten wirklich so? Würden sie Bex wirklich so schnell in ihren Kreis aufnehmen, wo sich doch alles um Geheimhaltung dreht? So ganz glauben konnte ich es nicht, es ging mir einfach zu schnell.Die Charaktere bleiben in ihrem Verhalten leider sehr oberflächlich, fast kindisch. Immer wieder musste ich mir beim lesen vor Augen halten, dass die Protagonisten inzwischen Mitte 20 sind und nicht 17.

Richtig fesseln konnte mich die Geschichte, als es mit dem Auftauchen von Lacey wirklich Fahrt aufnahm. Sie tut alles, um im Mittelpunkt zu stehen. Die Dynamik zwischen Bex und Lacey ist großartig. Es war spannend zu sehen, wie sich die Beziehung der Zwillingsschwestern zueinander im Laufe der Geschichte veränderte. Da war definitiv Dynamit drin.

Auch Bex, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, macht leider keine großen Entwicklungssprünge durch. Als sie nach Oxford kommt ist sie eine hoffnungsvolle junge Kunststudentin, die sich gut auskennt und eine kreative Ader hat. Die Auslandsstudienzeit in Oxford wäre ihre Gelegenheit, sich aus dem Schatten ihrer Schwester zu befreien. Leider macht sie nichts daraus. Sie beendet das College zwar, aber darüber erfahren wir rein gar nichts. Macht sie einen guten Abschluß? Ist die Arbeit im Museum wirklich alles, was sie sich je erträumt hat? Oder wirft sie das alles weg für einen Mann, an den sie sich unbedingt binden will? Ich kann es euch nicht sagen, denn Bex verrät es dem Leser nicht. Kaum taucht Lacey in London auf, tritt Bex in ihren Schatten zurück, lässt sich von Lacey wieder dominieren. Als sie es endlich doch schafft, sich gegen ihre Schwester zu stellen, tut sie es dann auch gleich so vehement, dass man manches Mal denkt: Na, ein bisschen zurückhaltender, das hätte es jetzt aber auch getan. Bex entwickelt sich zeitweise leider zu einer sehr egoistischen Protagonistin.

Mit Nick konnte ich mich nicht vollständig anfreunden. Sein Studium scheint er nicht allzu ernst zu nehmen. Zumindest erfährt man wenig darüber, wie es für ihn läuft. Die meiste Zeit ist er auf Partys oder zurück im Schloß, um sich vor der Welt zu verkriechen. Vor allem zum Ende hin erschien er mir sehr distanziert, wenig liebevoll im Umgang mit Bex. Natürlich haben die Autorinnen dem Leser bis dahin nahegebracht, was sein Problem ist. Trotzdem hätte ich von einem fast 30jährigen Mann, der demnächst seine große Liebe, entgegen aller Widerstände heiraten will, etwas mehr Feingefühl erwartet. Er weiß, was auf Bex am Hof zukommt und lässt sie dennoch allein zurück? Wirft sie quasi den Wölfen zum Fraß vor? Sorry, ich hätte an Bex Stelle die Beine in die Hand genommen.

Von den Nebenfiguren haben mir nur Cilla und Gaz richtig gut gefallen. Obwohl ich gestehen muss, dass auch Bea definitiv was hat. Sie ist für mich die Figur, die die größte Entwicklung durchmacht, die sich selbst zwar treu bleibt, aber auch weiß, wann sie zu wem treu stehen muss. Sie weiß, wer Freund und wer Feind ist. Ich hätte ihr ihre eigene Liebesgeschichte, die sie offen leben kann gewünscht. Mit Bea ist den Autorinnen wirklich eine Figur aus der Feder geschlüpft, die es ansatzweise geschafft hat, ihr Potential zu entfalten.

Leider spürt man bei keiner der Figuren, außer vielleicht bei Fred, eine wirkliche Entwicklung und das fand ich wirklich schade. Bei einer Geschichte, die über 8 Jahre hinzieht, bei der die Protagonisten von jungen Erwachsenen zu Erwachsenen heranreifen, da sollte doch deutlich mehr drin sein. Als sich Nick und Bex begegnen sind sie Anfang 20, besuchen gerade das College. Zum Ende des Buches sind sie, wie gesagt, fast 30 Jahre alt und sollten eigentlich gefestigt im Leben stehen. Gefühlt bestehen die 8 Jahre dazwischen aber nur aus Alkohol, Partys, Trennungen, ein bisschen Arbeit und Versteckspielen mit der Presse.

Allerdings muss ich sagen, dass ich auch an einer Stelle echte Liebe spüren konnte. Als Nick Bex den ersten Verlobungsring an den Finger steckt (nicht den diamantschweren Klunker, sondern einen Plastikring), das war eine sehr romantische Geste, die mir direkt ein paar Tränchen in die Augen getrieben hat.Ich finde allerdings, dass eine einzige Stelle in einem Roman von 700 Seiten, in der es eigentlich um die große Liebe zwischen zwei jungen Menschen gehen sollte, ein bisschen dürftig ist. Ich habe spüren können, was Nick an Bex gefällt. Sie nimmt ihn, als einziger Mensch, neben seinem Bruder, einfach so wie er ist. Künftiger König hin oder her. Aber, was fasziniert Bex an Nick? Mir hat es sich nicht erschlossen.

Ich könnte noch viel mehr sagen, muss allerdings wirklich aufpassen, in meiner Rezension nicht zu spoilern und es ist jetzt schon so viel geworden, von daher denke ich, dass ich es hier dabei belasse. Ich hoffe, dass ich euch einigermaßen nachvollziehbar machen konnte, wie meine Bewertung ausfällt. Ich vergebe 3 Federn für ein Buch das wirklich gut und leicht lesbar ist, aber von der Story her doch recht langgezogen. Den Figuren fehlt die notwendige Entwicklung, die bei dem langen Zeitraum (8 Jahre), über die das Buch spielt, definitiv hätte da sein müssen.

Weitere Rezensionen findet ihr bei:
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