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Harzer-Hexen-Stieg 2017

Harzer-Hexen-Stieg

Endlich hatte ich mich dazu durchgerungen, meine erste Reise allein zu buchen. Ich habe hin und her überlegt, wohin es gehen soll. Einige Ziele schieden aufgrund des Preises (von Alleinreisenden nehmen es die Veranstalter wirklich happig) aus, so dass letzten Endes die Wahl zwischen Wanderreise und Städtereise getroffen wurde. Bei einer Städtereise hatte ich Angst, dass ich eine Woche in meinem Hotelzimmer verbringe, weil ich doch zu feige bin, alleine etwas zu unternehmen, also entschied ich mich für eine Streckenwanderung mit Gepäcktransport. So muss ich jeden Tag weiter. Die Wahl entschied sich zwischen dem Moselsteig und dem Harzer-Hexen-Stieg. Auch hier siegte das Sicherheitsbedürfnis für die erste Reise allein. Vom Harz aus bin ich zur Not in 5 Stunden mit der Bahn wieder zuhause und wenn alle Stricke reißen, dann weiß ich, meine Eltern würden auch kommen. Mit dem Auto ist man in gut 3 Stunden da. Bis zur Mosel ist es von uns aus deutlich weiter. Ich finde, für den ersten, aufregenden, Urlaub allein, darf ein bisschen auf Sicherheit gehen.

Mehrere Tage bin ich immer wieder um den „buchen“ Button herumgeschlichen, aber dann habe ich es gepackt. Ich habe über Corso Wanderreisen die 8-Tages-Reise mit Gepäcktransport gebucht. Standesgemäß, wie es sich für die Inhaberin des Buchbahnhofes gehört, entschied ich mich dafür, mit der Bahn in den Urlaub zu fahren. 😉 Alleine Autofahren finde ich doch recht stressig und für gerade mal 39 Euro pro Strecke in der 1. Klasse der Deutschen Bahn in rund 5 Stunden in den Harz chauffiert zu werden, fand ich mehr als akzeptabel.

Am 8.6.2017 war es nun endlich so weit. Auf in Richtung Osterrode im Harz. Ich war mega aufgeregt, aber stieg um 9.54 Uhr in Itzehoe in den Zug in Richtung Harz. Nach dreimaligem Umsteigen (Hamburg, Göttingen und Herzberg am Harz) war ich um 14.47 Uhr in Osterode. Erste Klasse Waggons gab es übrigens nur um ICE, aber dort war es wirklich gemütlich. Sogar Getränke und Snacks werden einem an den Platz gebracht. Ich habe das nicht genutzt, aber auf der Rückfahrt probiere ich das mal aus.

Das Hotel vom Bahnhof aus zu finden hat mich vor eine kleine Herausforderung gestellt (ich bin ja nicht so gut darin, Karten zu lesen), aber auch das habe ich gemeistert und so hatte ich um kurz nach Drei mein Zimmer im „Harzer Hof“ bezogen. Das Zimmer war super, wenn man davon absieht, dass ich meinen schweren Koffer in den dritten Stock (ohne Fahrstuhl) tragen musste. Ansonsten hatte ich aber alles, was ich brauchte. Breites Bett, schönes Badezimmer. Alles in Ordnung.

 

Der Hotelwirt war super nett und hat mir gleich auf der Karte einige Tipps für den ersten Tag gegeben. Ausgerüstet mit einem Stadtplan habe ich dann noch ein wenig Osterode erkundet. So ganz viel gab es nicht zu sehen, so bin ich bei strahlendem Sonnenschein nur ein bisschen durch die Innenstadt gezogen und habe noch eine Bratwurst im Brötchen gegessen.

Dabei habe ich so einige nette Ecken entdeckt. Schöne Fachwerkhäuser und in der Innenstadt wurde gerade ein Beach-Volleyball-Feld aufgebaut.

Auch dieses Graffiti fand ich ganz schön und dachte, ich zeig es euch mal.

Wieder im Hotel angekommen habe ich mich dann auch zeitig auf ins Bett gemacht. Von der

Aufregung (das erste Mal alleine in den Urlaub, wie klappt das mit dem Bahnfahren, finde ich das Hotel… was einem so alles durch den Kopf geht) hatte ich mega Kopfschmerzen und da am nächsten Tag ja die erste Wanderung anstand, dachte ich mir, ich gehe mal rechtzeitig schlafen.

 

 


09.06.2017

Nachdem ich wirklich gut geschlafen hatte, war ich aber trotzdem früh auf. Ich war nicht mehr ganz so aufgeregt, aber schon ein bisschen. Um Viertel nach Sieben saß ich am Frühstückstisch. Ich durfte mir netterweise auch ein Brötchen für unterwegs schmieren. Das fand ich Klasse. Meinen Koffer habe ich gleich mit runtergenommen und abgegeben. Den Rest meiner Sachen habe ich dann ganz in Ruhe nach dem Frühstück geholt. Bewaffnet mit Rucksack, Wanderstöcken, Proviant und Kamera ging es um 7.50 Uhr ab auf die Strecke.

Nach rund 1,5 km vom Hotel aus erreichte ich die Einstiegsstelle zum Harzer-Hexen-Stieg. Das Abenteuer begann!

Zunächst ging es recht steil den Hundscher Weg bergauf. Ich traf ich auch schon nach weniger als einem Kilometer auf den ersten Wanderer, der mich überholte. Ich habe aber brav mein sehr geringes Tempo aufrecht erhalten, denn es lagen ja noch etliche Kilometer vor mir und nichts ist schlimmer, als wenn einem zum Ende hin die Puste ausgeht.

Die Wanderung bergauf hat mir gut gefallen. Ein gut ausgebauter Schotterweg von dem man nach einiger Zeit einen schönen Blick zurück auf Osterode werfen kann. Die Höckerin am Wegesrand erinnert daran, wie die Frauen früher die Waren und das Holz auf dem Rücken geschleppt haben. Bis zu 40 kg wogen die Waren, die sie auf dem Rücken transportierten.

Weiter geht es durch den Wald, bis man am Eselplatz ankommt. Der Eselsplatz ist ein Rastplatz für Mensch und Tier, der sich an einem uralten Handelsweg befindet. Hier konnte ich dann auch meinen ersten Stempel sowohl in meinen Wanderpass, als auch in das Begleitheft zum Harzer-Hexen-Stieg drücken. Was für ein schönes Gefühl!

Nach einem kurzen Päuschen, der Ort lädt wirklich dazu ein, machte ich mich gestärkt wieder auf den Weg. Vorbei an wirklich schönen Ausblicken erreicht man recht schnell dann auch den Marienblick und hat die ersten 6,4 km des Harzer-Hexen-Stiegs schon hinter sich.

 

Hier habe ich mich dann auch in das Buch vom Harzklub eingetragen. Vor mir waren an diesem Tag schon zwei Wanderer da. Leider habe ich mich hier einmal kurz verlaufen. Der Weg ging so schön bergab… unten angekommen war leider kein weiteres Schild zu finden. Ich habe dann mal den Reiseführer befragt, was ich definitiv 800 m vorher hätte tun sollen. 800 m bergab ist ja ganz nett. Dieselben 800 m wieder bergauf weniger… Nun gut. Ich kam also nochmal am Marienblick und dem Wanderbriefkasten vorbei und nahm nun den richtigen Weg. Das Mangelhalber Tor fand ich persönlich jetzt nicht so spannend, von daher machte ich mich forschen Schrittes weiter in Richtung Clausthal-Zellerfeld.

Den Abstecher zum Dorotheen-Blick habe ich mir gespart. Über mir fing der Himmel an, sich etwas zuzuziehen und der Wind frischte auf. Ich beschloss also, lieber ein bisschen an Geschwindigkeit zuzulegen, denn ich hatte erst ungefähr die Hälfte des Weges geschafft. Weiter ging es zum Bärenbrucher Teich. Dort in der Schutzhütte habe ich noch eine kleine Rast eingelegt und mir meinen zweiten Stempel in die Hefte gedrückt. Auf dem Damm entlang ging es weiter, zwischen dem Bärenbrucher Teich und dem Ziegenberger Teich hindurch. Die beiden Teiche haben eine unterschiedliche Höhe, so dass immer etwas Wasser vom einen in den anderen Teich fließt. Rast habe ich dann gegen 13.30 Uhr an der Pixhaier Mühle. Bei einem leckeren Salatteller mit Putenbrust und einer Apfelschorle habe ich mich für die restliche Strecke gestärkt. Übrigens sehr lecker und preislich noch im Rahmen.

Leider hat Corso mit dem Hotel zum Harzer in Clausthal-Zellerfeld ein Hotel gebucht, das kaum weiter weg vom Harzer-Hexen-Stieg sein könnte. Rund 5 km Fußmarsch lagen noch vor mir, quer durch die Stadt und das bei einem Himmel, der immer mehr zuzog. Ich bin schon am recherchieren, wie ich morgen mit dem Bus wieder in die Nähe meines Einstiegsortes zum Hexen-Stieg komme. Die 5 km zurücklaufen, darauf habe ich wirklich keine Lust. Naja… was soll ich sagen? ich habe es geschafft. Kaum im Hotel angekommen fing es in Strömen an zu regnen. Da war mir wohl jemand wohlgesonnen.

So ging der erste Tag nach 22 km in gut 7 Stunden zu ende. Eine Blase habe ich mir bisher nicht gelaufen, aber meine Beine merke ich doch recht gut. Mal schauen, wie es mir morgen früh geht.


10.06.2017

Los ging es, nach einer wirklich schlechten Nacht, da das Hotel sehr hellhörig war, mit einem super Frühstück. Ein Buffet mit allem, was das Herz begehrt. Meinen Beinen ging es heute morgen, wider Erwarten, recht gut, dennoch habe ich mich dafür entschieden, den Weg durch die Stadt nicht erneut auf mich zu nehmen. So spannend ist Clausthal-Zellerfeld dann doch nicht. Ich war also so frei und habe mir ein Taxi bis zu der Stelle gegönnt, an der ich wieder in den Harzer-Hexen-Stieg einsteigen konnte. Man ist ja im Urlaub 😉 Um 8.45 Uhr ging es los. Mein erster Weg führte mich zum Ententeich, denn hier wollte ich einen Abstecher machen und einen Geocache suchen. Dank des Caches wurde ich an eine wirklich schöne Stelle geführt. Wenige Meter hinter dem Ententeich findet man die Quelle der Innerste. Der „Innerste-Sprung“ liegt 605 m über NN. Den Cache konnte ich schnell finden und so ging es weiter auf den Weg Richtung Altenau. An der Hutthaler Widderwage konnte ich mir meinen dritten Stempel in den Stempelpass stempeln. Entlang des Hutthaler Grabens setzte ich meinen Weg fort.

Bisher gefällt mir die Wanderung wirklich sehr gut. Die Wege sind angenehm zu laufen, nicht zu voll und man hat sehr viel Natur um sich herum. Ich laufe in meinem Tempo (meistens jedenfalls). Ich merke, dass mir das leichter fällt, wenn ich alleine bin. Heute zum Ende der Etappe waren sowohl vor, als auch hinter mir Wanderer, dann passt man sich automatisch dem Tempo an. Hat sich gleich gerächt. Statt heute Nachmittag Altenau zu erkunden und ein paar Caches zu machen, wie ich es vor hatte, sitze ich im Zimmer und kühle mein Knie. Morgen auf jeden Fall wieder nur in meinem Tempo.

Okay, aber erstmal weiter. Eigentlich bemühe ich mich, mir wirklich die Zeit zu nehmen, die ich brauche. Ich schaue links und rechts, halte an, um zu fotografieren. Es findet sich so viel Schönes am Wegesrand, das fotografiert werden muss. Am Fieke-Martens-Brunnen, einer

Trinkwasserquelle habe ich dann erstmal eine Rast eingelegt. Es war 12 Uhr Mittags und damit Zeit für eine Pause.

 

 

 

 

 

 

So ganz einfach ist das nicht, dass ich auch mal auf einem Foto drauf bin, da ich ja nur Selfies machen kann, aber ich habe mich mal an einem versucht.

Weiter ging es zur Eisenquelle. Leider war da ein echter Massenauflauf, was die Wanderer anging, so dass ich nicht so lange dort geblieben bin und das Wasser auch nicht probiert habe. Es soll, trotz des hohen Eisengehaltes, sehr gut schmecken. Ich habe aber mal versucht, für euch einzufangen, dass das Wasser dort wirklich rot ist.

Ab hier war der Wanderweg, wie gesagt, sehr voll, und ich über meinem Tempo drüber. Das passiert mir morgen nicht wieder. Die können ja alle überholen…

Am Ende der heutigen Tour angekommen habe ich mich noch ein bisschen in die Sonne gesetzt, bevor ich mich auf die letzten 1,5 km zum Hotel gemacht habe. Es war wirklich ein schöner Abschnitt. Laut Garmin bin ich 17,9 km gelaufen. Gebraucht habe ich 5 Stunden 15 Minuten.


11.06.2017

Was man hier im Harz nachts alles erlebt… Die Kirche in Altenau läutet ungelogen alle 15 Minuten… auch in der Nacht! Naja… irgendwann scheint mein Gehirn geschnallt zu haben, dass es sich nicht um den Wecker handelt und ich habe spät, aber gut geschlafen.

Heute galt es, die eigenen Ängste mal wieder zu überwinden. Nachdem mein Knie morgens zwar abgeschwollen war und auch nicht mehr schmerzte, kamen mir natürlich trotzdem solche Gedanken wie: Was ist, wenn dein Knie versagt und du bist irgendwo in der Einöde? Alleine? Das kleine Teufelchen auf meiner Schulter riet mir, doch lieber den Bus zu nehmen. Nachdem ich hin und her und vor und zurück überlegt hatte, beschloss ich, es zu wagen. Heute nur mein Tempo, Pausen und als erstes Etappenziel Torfhaus. Dort wollte ich dann weiter entscheiden, ob ich weiter bis zum Brocken hoch laufe, oder von dort irgendwie anders vorwärts komme. Runter vom Brocken bis Drei Annen Hohne hatte ich ein Ticket für die Bahn.

Also machte ich mich um Zwanzig vor Neun auf den Weg. Wie gut, dass ich so einen wunderbaren Orientierungssinn habe (nicht!). Ich hatte keine Ahnung mehr, wie ich wieder zum Hexen-Stieg kommen sollte. Zum Glück traf ich eine nette alte Dame mit Hund, die mir den Weg wies. Nicht ganz den, den ich eigentlich geplant hatte, aber so kam ich in den Genuss, den Stempel Nr. 149 (Kleine Oker) auch noch einzusammeln. Dort weiter den Weg entlang und schon war ich wieder auf dem Hexen-Stieg. Immer durch den Wald war es wirklich angenehm zu laufen. An meine Regel, heute mehr Pausen einzulegen, habe ich mich auch gehalten. Es war wirklich gemütlich. Der Dammgraben begleitete mich auf meinem Weg. Es dauerte gefühlt nicht sehr lange, bis ich an der Schutzhütte am Förster-Ludewig-Platz ankam. Gut, dass ich wusste, dass ich hier einen Stempel finden würde (Nr. 133), sonst wäre ich an dem Kasten eventuell vorbei gelaufen. Aber, nicht nur einen Stempel fand ich hier, sondern auch noch einen Geocache. Den habe ich natürlich auch fix gemacht. Bis hierhin hatte ich auch immer wieder mit meinen Ängsten wegen meines Knies zu kämpfen. Irgendwie gelang es mir dann aber endlich, diese abzuschütteln. Auch dafür mache ich diese Tour ja. Also → alles richtig gemacht 😉

Langsam fingen nun auch die Steigungen an. Hinter dem Nabentaler Wasserfall wurde der Weg richtig uneben und später dann auch eng und es ging links von mir steil hinunter. Ich muss gestehen, dass mir ein bisschen mulmig bei dem Gedanken war, dass mir jemand entgegenkommen könnte. Auf diesem Weg bin ich übrigens einem Nashorn begegnet. Seht ihr es?

Jaja…. über mangelnde Fantasie kann ich mich eigentlich nicht beklagen.

Zum Glück kamen erst am Gustav-Krone-Blick zwei Mountainbiker.Wir haben ganz kurz geschnackt, dann fuhren sie in die Richtung aus der ich kam. Sie kannten die Strecke. Ich muss gestehen, dass ich ehrlich beeindruckt oder doch entsetzt (?) war. Ich hatte schon zu Fuß echt Angst und die fahren da mit dem Fahrrad lang. Na gut, jedem das Seine…

Nach erneuter Anstrengung kam ich zu einer kleinen Holzbrücke über einen Bach. Hier war es einfach nur wunderschön und ich legte eine längere Pause ein. Die Füsse baumelten knapp über dem Wasser und die Seele konnte entspannen. Da es von hier nur noch wenige Meter bis Torfhaus waren, begann ich zu überlegen, was ich nun tun wollte. Weiter? 8 km zum Brocken hinauf? Oder lieber nicht? Meine Beine fühlten sich gut an, meinem Knie ging es blendend. Also entschied ich, weiter zu gehen. Aber, erst eine längere Rast.

 

 

Also, ab über einen Parkplatz und über die Straße und einen ersten Blick auf den Brocken werfen. Ganz schön weit weg… 8 km lagen vor mir. Die ersten Meter waren auch recht idyllisch, nichts zu meckern, aber, je weiter ich vorwärts kam, umso weniger Schatten gab es. 7 km lang knallte mir die Sonne auf den Kopf und ich hatte keinen Hut. Wasser hatte ich auch nicht mehr wirklich, denn, wie ich an der Schutzhütte Ecker-Sprung angekommen (Stempel Nr. 136) feststellte, hatte ich meine dritte Wasserflasche nicht in den Rucksack gepackt. Ich vermute, die steht noch immer in meinem Hotelzimmer in Altenau, so sie dort nicht jemand weggeräumt hat. Okay, also noch etliche Kilometer vor mir und noch ungefähr 250 ml Wasser. Grandios… Die Sonne knallte also unbarmherzig weiter auf mich runter. Zum Glück, auch wenn es mich sonst genervt hätte, war der Weg zum Brocken geradezu überlaufen von Menschen. Was soll man an einem Sonntag auch anderes erwarten? So konnte ich mich wenigstens gefühlt einfach mitziehen lassen. Unterwegs trafen wir auf die Brockenbahn und ich habe die Gelegenheit genutzt, einige Fotos zu machen und mich nochmal mit Sonnencreme einzucremen. Ich glaube ja an Schicksal, höhere Mächte, wie auch immer man das da oben nennen will. 1 km vor Ziel konnte ich wirklich nicht mehr. Ich schwöre, am liebsten hätte ich mich einfach auf den Boden gesetzt und wäre nie wieder aufgestanden. Und? Was kam? Eine ältere Dame, die am Brockenlauf teilnahm. Sie konnte auch nicht mehr. Wir haben uns ganz spontan und natürlich zusammengetan und während wir so alle Infos austauschten. Was ist der Brockenlauf? Woher kommt sie, woher komme ich, etc. machten wir gemeinsam den letzten Kilometer. Geschafft!!! Ich war noch nie so glücklich, irgendwo anzukommen. Das könnt ihr mir glauben.

Zuerst habe ich mir eine Bratwurst und eine 0,5 Liter Flasche Wasser gegönnt, die ich direkt ausgetrunken habe. Dann habe ich mich auf die Suche nach dem Stempelkasten gemacht und den Ausblick genossen. Der Kasten war gar nicht so einfach zu finden, aber auch den Stempel Nr. 9 (Brocken) konnte ich in mein Heft drücken. Noch schnell ein paar Postkarten gekauft und dann ging es um 15.40 Uhr mit der Brockenbahn nach Drei Annen Hohne hinunter. Und wieder ist ein Wandertag zu Ende, an dem ich mich wirklich selbst bezwungen habe und mich großartig fühle.

17,8 km in 6 Stunden 15 Minuten.


12.06.2017

Um 8.15 Uhr ging es heute morgen in Drei Annen Hohne los in Richtung Hasselfelde. Der Himmel zeigte sich bedeckt, ab und an kam die Sonne mal raus. Immer am Waldrand entlang ging es forschen Schrittes voran.

Mein erster Halt war der Rastplatz am Steinbachtal, denn hier hatte sich ein Geocache versteckt, der schnell gefunden werden wollte und auch gefunden wurde.

Irgendwie hatte ich die Entfernung falsch eingeschätzt, denn Königshütte erreichte ich viel früher als geplant. Gut so. Am Königshütter Wasserfall musste ich auf den Stempel (Nr. 40) verzichten. Ich habe alles abgesucht, aber wurde nicht fündig. Als ich später im Hotel recherchiert habe, stellte sich heraus, dass ich den kleinen Weg auf den Aussichtspunkt über dem Wasserfall hätte nehmen müssen. Naja… wenn ich die Karte richtig studiert habe, dann müsste ich meine 9+2 Stempel für die Hexen-Stieg-Nadel trotzdem zusammen bekommen. Da mir der Stempel im Wanderpass-Heft aber ja auch fehlt, muss ich da irgendwann nochmal hin. Ich muss sowieso gestehen, dass Königshütte und ich keine Freunde werden. Ich hatte insgesamt ein bisschen Probleme, im Ort den Weg zu finden. Nachdem ich die kleine Hexe (also das Schild) nicht mehr finden konnte, bin ich erstmal zur letzten Abzweigung zurück, nur um dann festzustellen, dass ich doch richtig war. Den Weg oberhalb der Bode entlang kenne ich jetzt ziemlich gut. Der Herr, der in seinem Garten dort Heu macht, hat sich bestimmt auch gewundert, dass ich schon wieder vorbei kam.

Nachdem ich meinen Weg wiedergefunden hatte, ging es dann recht zügig zur Ruine Königsburg, wo sich der Stempel Nr. 41 dann nicht vor mir verstecken konnte. Einen recht steilen Pfad hinab und weiter ging es in Richtung Talsperre, wo ich den Stempel Nr. 56 (Rappbodeblick-Trautenstein) in mein Heftchen drücken konnte. Hier habe ich eine längere Pause eingelegt und erstmal etwas gegessen.

Gut so, so konnte es gestärkt weiter gehen über die Talsperre und hinauf zur Burgruine Trageburg. Auf dem Weg zur Trageburg konnte ich noch den Geocache „Kleine Trogfurt“ loggen. Dann ging es über einen wirklich schönen weg weiter zur Trageburg. Der hier vorhandene Wanderstempel Nr. 52 war ebenso leicht zu entdecken, wie der Geocache „Die Trageburg“. Schnell den Stempel geholt und im Logbuch des Caches verewigt und dann… mal wieder den Weg nicht gefunden. Ich bin ungelogen drei Mal um die Trageburg herumgewandert, nur um immer wieder an derselben Stelle anzukommen. Ein Pärchen, das auf der Bank Rast machte schaute schon ein bisschen verwundert. Irgendwann kamen wir dann aber gemeinsam darauf, dass der kleine Trampelpfad (nach mehr sah das für uns nicht aus), der richtige Weg ist. Hier könnte die Beschilderung wirklich etwas eindeutiger sein.

Weiter ging es über breite Forstwege und später entlang der Hasselvorsperre, nach Hasselrode. Insgesamt zeigte mein GPS 22,8 km an und gebraucht habe ich 7 Stunden.

 

 

Auch auf dieser Etappe hatte ich wieder eine Begegnung der dritten Art 😉 Leider fehlen ihm die Augen.

Ich muss gestehen, dass ich diese Etappe nicht ganz so schön fand. Die breiten Forstwege sind ja ganz nett, aber der Schotter läuft sich nicht so super gut und immer nur Wald… naja… Die Abschnitte, wo es immer so schön an den Gräben entlang ging und das Wasser so nett plätscherte war schon schöner.

Aber: Geschafft und glücklich. Morgen geht es weiter.


13.06.2017

Der Himmel zeigte sich heute morgen bedeckt, aber es sollte laut WetterApp trocken bleiben. Mehr will man ja gar nicht. Also machte ich mich nach dem Frühstück gut gelaunt auf den Weg. Vorbei ging es an der Kirche von Hasselfelde, eine Treppe hinab, an einigen Kleingärten vorbei. An den Kleingärten traf ich auf einen sehr netten jungen Mann, der mir empfahl, lieber den Weg am Feldrain entlang zu nehmen. Der Hexen-Stieg sei hier sehr zugewachsen und die beiden Pfade würden parallel verlaufen und sich auf dem nächsten Weg wieder treffen. Diesen Tipp habe ich danken angenommen. Es lief sich dort wirklich sehr gut. Als die beiden Wege dann wirklich nach kurzer Zeit wieder zusammentrafen, ging es links hinab, zwischen den Feldern hindurch und am Mittlerer Teich vorbei.

Nicht lange, dann hieß es schon wieder links abbiegen und direkt vor meiner Nase baumelte ein Geocache. Den musste ich natürlich loggen. Wenn er einem schon so verlockend präsentiert wird… Nun ging es am Waldrand entlang und später in den Wald hinein. Die Strecke war wirklich unglaublich schön und ich kam super gut vorwärts.

 

Recht schnell erreichte ich dann schon das Köhlereimuseum Stemberghaus, wo ich den nächsten Stempel (Nr. 60) in mein Stempelheft drücken konnte. Das Museum habe ich mir nicht angeschaut, ich bin irgendwie nicht so der Museumsmensch.

Hinter dem Museum ging es wieder hinein in den Wald,

und weiter ging es hoch, den Berg hinauf, bis zur Schöneburg. Ein wunderbarer Ausblick erwartete mich, und der nächste Stempel (Nr. 63). Hier habe ich eine etwas längere Rast eingelegt und erstmal etwas gegessen und getrunken. Ich merkte schon jetzt, dass ich viel zu fix unterwegs war. Ich würde viel zu früh in Treseburg ankommen. Irgendwie habe ich mich langsam eingelaufen und es geht deutlich schneller voran. Nun ja… ewig wollte ich hier dann auch nicht sitzen, also weiter. Laut Wanderführer bin ich auch an der Hochzeitsbank vorbei gekommen. Die ist mir allerdings irgendwie entgangen… Verpasst habe ich da hoffentlich nichts, nehme ich mal an.

Steil bergab ging es, und schon erreichte ich Altenbrak. Nur noch gute 4 km bis Treseburg. Ich war wirklich zu schnell… Naja… da es dort aber auch nicht wirklich etwas zu besichtigen gab, beschloss ich, einfach in meinem Tempo weiter zu gehen. In Treseburg sollten noch ein paar Geocaches liegen. Die wollte ich dann am Nachmittag einfach noch machen.

An der Bode entlang war es wieder super schön.

Kurz vor Treseburg sollte ich dann noch eine Überraschung erleben. Ellen und Andreas (aus der Facebook Gruppe Harzer Wandernadel) kamen mir entgegen. Da sie wussten, dass ich irgendwo auf dem Weg sein musste, hatten sie die Augen offen gehalten und mich gleich erkannt. Es war richtig schön, kurz zu schnacken. Ich hab mich wahnsinnig gefreut, so liebe Menschen zu treffen. Nachdem wir ein gemeinsames Foto gemacht hatten, machten wir uns wieder auf den Weg. Die beiden wollten nach Hasselfelde. Ich den letzten guten Kilometer nach Treseburg. Ich war richtig fröhlich, weil ich mich so gefreut habe, dass die beiden extra Ausschau gehalten haben. So einfach kann es manchmal sein, jemanden glücklich zu machen.

Nachdem ich im Restaurant Bodeblick mit einem guten Schnitzel und Pommes gestärkt hatte, ging es die letzten Meter bis zum Hotel.

Damit lagen rund 17 km in 6 Stunden (wenn man die Essenspause, die ich sonst nicht gemacht habe abzieht in 5 ½ Stunden) hinter mir.

 

Ja, und nun kommt es. Weil ich inzwischen ja auch wanderstempelsüchtig bin 😉 habe ich mir die Karte gegriffen und geschaut, ob es in der Umgebung noch erreichbare Stempel gibt. Ich war noch relativ fit, denn an die Strecken gewöhne ich mich langsam und cachen war heute irgendwie doch nicht so ganz nach meinem Geschmack. Der Stempel Nr. 67 (Weißer Hirsch) ist von Treseburg aus in einer kurzen Wanderung gut zu erreichen. Also habe ich mich, nach einer kurzen Pause, nochmal wieder auf den Weg gemacht. 2,4 km kamen am heutigen Tag nach dazu und der Stempel Nr. 67 ziert nun auch meinen Wanderpass. Und den Blick von oben auf Treseburg hinab konnte ich auch noch genießen.

Das war ein mega schöner Tag! Das Wetter hätte ein bisschen netter sein dürfen, aber es war total okay. Die Landschaft war total schön und, dass ich Ellen und Andreas getroffen habe, hat den Tag irgendwie rund gemacht.

Morgen geht es nun auf die letzte Etappe bis nach Thale. Ich freu mich drauf!


14.06.2017

Heute ging es auf das letzte Stück von Treseburg nach Thale. Rund 11 km lagen vor mir. Ein Klacks. Bei strahlendem Sonnenschein verließ ich gegen 9 Uhr das Hotel und schlug den Weg Richtung Thale ein. Zunächst ging es einigermaßen steil bergan, bis hoch zur Sonnenklippe, wo es einen wichtigen Stempel für meine Harzer-Hexen-Stieg-Nadel zu sammeln galt. Die Nr. 69 war schnell in meinen Büchern verewigt. Den Geocache, der hier eigentlich vorhanden sein sollte konnte ich leider nicht finden. Fand ich ein bisschen merkwürdig, da es sich um eine recht große Dose handeln soll. Ich muss aber auch gestehen, dass ich so ganz allein nicht allzu sehr auf dem Felsen rumkraxeln wollte. Nicht, dass am letzten Tag noch was passiert. Also ging es mit Stempel und ohne Cache weiter.

Die Landschaft ist wirklich wunderbar. Immer oberhalb, mal etwas weiter weg, mal etwas näher dran, der Bode entlang. Die einzige Strecke, die mir noch besser gefiel war die am Dammgraben entlang. Hier rauscht das Wasser, dort plätschert es. Auf jeden Fall gab es auf dieser Strecke viel zu fotografieren. Viele umgestürzte Bäume, Felsen, etc. die alle wunderschöne Bilder abgaben.

 

 

Irgendwann kam ich dann an einem Schild vorbei, das auf Steinschlaggefahr hinwies. Ein bisschen mulmig wurde mir da schon, andererseits hatte es ja nicht stark geregnet oder gestürmt in den letzten Tagen. Ich beschloss, dass wohl schon nichts passieren wird. Frohen Mutes ging es also weiter. Links von mir rauschte die Bode mal mehr und mal weniger heftig. Auf dieser Strecke hatte ich übrigens das erste Mal die gesamte Zeit „Begleitung“. Ein Vater und sein Sohn (denke ich mal) gingen mal vor und mal hinter mir, je nachdem, wer von uns wann Pause machte. Sonst war ich ja doch immer sehr allein auf meinen Pfaden unterwegs.

Es war wirklich ein Tag zum genießen. Mit rund 10 km war die Strecke ja recht kurz, so dass ich an der einen oder anderen Stelle eine Pause eingelegt habe und die Landschaft einfach auf mich wirken lassen haben. Wenn man so die Ausblicke auf die Bergmassive genießt, dann fühlt man sich schon wirklich klein, aber es ist so wundervoll. Vorbei ging es am Bodekessel und über die Teufelsbrücke.

Danach dauerte es nicht mehr lange, bis ich zum Hirschgrund (Nr. 178) kam. Hier genehmigte ich mir neben dem Stempel auch noch eine Eisschokolade, denn das Wetter lud heute wirklich dazu ein.

Zügig ging es dann auf die letzten Meter. Vorbei an der Abzweigung zur Rosstrappe, denn ich hatte beschlossen, zuerst den Hexen-Stieg bis zum Ende zu laufen und dann zu entscheiden, wie es weitergeht. Die letzten Meter durch die Stadt waren zügig erledigt und schon konnte ich stolz vermelden: Ich habe es geschafft!!! Ein bisschen geschafft, aber auch mega stolz habe ich mir dann in der Touristeninformation die Harzer-Hexen-Stieg-Nadel und die Wandernadel in Bronze geholt.

Draußen habe ich mir dann erstmal eine Bank gesucht und ein bisschen meinen Gedanken nachgehangen. Musste irgendwie sein. Alles in Ruhe Revue passieren lassen. Aber dann… Meine Stempel gezählt und festgestellt, dass ja auch nur ein einziger Stempel bis zur Wandernadel in Silber fehlt. Ein lächerlicher Stempel… Okay… mal wieder war der Ehrgeiz geweckt. Annett Heise hatte ja morgens noch geschrieben, dass es auf der Rosstrappe auch noch einen Stempel zu holen gibt. Sie hatte den Vorschlag gemacht, hoch zu fahren, aber das kam mir dann doch nicht richtig vor. Also → Wanderschuhe quasi wieder geschnürt, den Abzweiger zur Rosstrappe hatte ich ja gesehen. Den Hexen-Stieg wieder zurück und ab auf den Präsidentenpfad. Ich gestehe, dass es ein hart erarbeiteter Stempel war, denn ich war echt kaputt, als ich oben ankam. Belohnt habe ich mich dort erstmal mit einer großen Apfelschorle und Kartoffelecken, bevor ich mich dann tatsächlich auf machte und mir den Stempel Rosstrappe (Nr. 71 – das Stempelkissen ist übrigens ein wenig schwach auf der Brust, aber funktioniert noch) in meinen Wanderpass drückte. Zurück laufen? No Way!!! Problem: Runter geht es nur in einem Sessellift. Geschlossene Gondeln sind kein Problem, aber diese Sessellifte flößen mir schon immer gehörig Respekt ein. Gefahren bin ich noch nie mit einem. Also hieß es, mal wieder auf dieser Reise Ängste zu überwinden und Sessellift zu fahren. Ich habe mir also eine Karte gekauft und bin eingestiegen. Wie lange dauert die Fahrt runter? 5 Minuten? 10 Minuten? Gefühlt auf jeden Fall eine Stunde. Ich hatte Angst!!! Mit Augen zu und möglichst gleichmäßig atmen ging es dann einigermaßen, aber eines kann ich euch sagen: Das mache ich nie wieder! Ich finde es einfach nur furchtbar beängstigend. Aber, ich habe es überlebt 🙂

Zur Belohnung wieder in die Touristeninformation, wo ich der Dame stolz erzählte, dass ich auf die Rosstrappe gelaufen bin und nun auch die Harzer Wandernadel in Silber haben darf. Hat sie mir dann auch bereitwillig überlassen 🙂

Danach ging es mit dem Bus nach Quedlingburg, wo mein letztes Hotel liegt. Nach einer Dusche habe ich mir noch ein bisschen die Stadt angeschaut und gut gegessen. Nun schreibe ich meinen Bericht und morgen geht es mit dem Zug wieder gen Heimat.

Ja, das war meine Wandertour über den Harzer-Hexen-Stieg. 6 Tage – mit Umwegen und Abstechern müssten es, wenn man GPS einigermaßen richtig anzeigt, rund 120 km gewesen sein, die ich zu Fuß zurückgelegt habe. Es war eine großartige Erfahrung, die mir Einiges an Selbstvertrauen gegeben hat.

Ich hoffe, dass euch mein Bericht ein bisschen gefallen hat. Vielleicht bekommt der eine oder andere ja sogar Lust, diese Wanderung auch zu machen.

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