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[Rezension] Leise Helden (1): Im Lautlosen – Melanie Metzenthin

Geposted am 23. Februar 2021 um 19:00

Rezension, Melanie Metzenthin, Tinte und Feder, Leise Helden-Reihe

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Titel: Im Lautlosen
Reihe: Leise Helden; Band 1
Autorin: Melanie Metzenthin
Verlag: Tinte und Feder
Erscheinungsjahr: 2017
Einband: Taschenbuch, ebook
Seitenanzahl: 523

Meine Wertung: 5 Federn

Klappentext:

Hamburg, 1926: An der noch jungen Universität der Hansestadt gehören Richard und Paula zu den begabtesten Medizinstudenten ihres Jahrgangs. Sie beide verbindet mehr als nur die Leidenschaft für den Arztberuf – sie verlieben sich unsterblich ineinander. Als nach ihrer Heirat die Zwillinge Emilia und Georg geboren werden, ist ihr Glück komplett, auch wenn der kleine Georg gehörlos ist. Doch dann ergreifen die Nationalsozialisten die Macht und das Leben der jungen Familie ändert sich von Grund auf.

Richard, der inzwischen als Psychiater in der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn arbeitet, kann sich mit der menschenverachtenden Gesetzgebung der Nazis nicht arrangieren, von der auch sein gehörloser Sohn betroffen ist. Um seine Patienten vor der Euthanasie zu bewahren, erstellt er fortan falsche Gutachten. Damit nimmt er ein großes Wagnis auf sich, das nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Familie bedroht …

Rezension:

Nachdem ich ja mit dem dritten Band angefangen hatte, musste ich nun  unbedingt auch Band 1 und 2 lesen. Ich bin wieder total begeistert, vielleicht noch begeisterter, als bei Band 3, falls das überhaupt geht. Man kann Band 1, der die Vorgeschichte zu Band 2 erzählt übrigens sehr gut als Erstes lesen. Er spoilert nicht. Eher ist es anders herum, dass Band 2 Spoiler zu Band 3 enthält. Ich würde es wieder so herum machen bzw. empfehlen.

Richard und Paula sind wirklich tolle Menschen, die bereit sind, nicht nur für ihre eigene Familie alles zu geben, sondern auch für völlig Fremde Menschen, die auf ihre Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Versucht Richard noch, alle zu retten, so muss er leider schnell erkennen, dass dies nicht möglich ist. Was für eine schwierige Entscheidung, vor der Paula mit diesem Wissen im späteren Verlauf der Geschichte steht. Man muss einige Menschen opfern, um andere retten zu können.  Ich habe keine Ahnung, wie man diese Entscheidung treffen kann. Es ist unglaublich.

Melanie Metzenthin hat eine spannende, sehr starke Geschichte geschaffen, die mit sympathischen Protagonisten und einer interessanten Grundstory punktet. Der Schreibstil der Autorin ist unaufgeregt, aber hat mich sofort in den Bann der Geschichte gezogen. Sie schafft es, einfach durch Tatsachen ein sehr berührendes und bedrückendes Szenario zu entwerfen. Dafür muss sie keine Gräueltaten direkt schildern, es reicht, was wir durch Richard und die ihm Verbündeten davon erfahren, um das Grauen im Kopf Wirklichkeit werden zu lassen.

Es ist unglaublich, was in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts passiert ist und wie die Menschen mitgemacht haben. Gut, so unglaublich ist es nicht. Melanie Metzenthin schildert nämlich sehr authentisch, wie die Nationalsozialisten die Macht ergreifen. Das Volk ist mit der Regierung unzufrieden und nach und nach setzen sich die Nationalsozialisten durch. Zunächst glaubt die normale Bevölkerung nicht, dass Hitler wirklich an die Macht gelangt bzw. dass das so schlecht wäre.

Als die Menschen begreifen, was der Nationalsozialismus bedeutet ist es zu spät. Die Nazis sind an der Macht und die neuen Gesetze werden ein- und ausgeführt. Ich gehöre nicht zu denen, die sicher sind, dass so etwas nie wieder passieren wird. Letzten Endes glaube ich, dass, wenn es hart auf hart kommt, viele von uns erstmal alles versuchen würden, um ihre eigene Familie zu beschützen. Blut ist vermutlich doch dicker, als Wasser.

Melanie Metzenthin berichtet hier über eine Familie, die Beides schafft. Paula hat sehr viel damit zu tun, ihren tauben Sohn Georg vor dem System zu schützen. Als behinderter Mensch wird er als weniger wert angesehen, als gesunde Menschen und fällt unter die neu geschaffene Verordnung, die es dem System ermöglicht, ihn der Zwangssterilisation zuzuführen. Kann man sich nicht vorstellen, dass so etwas möglich ist. Paula muss, gemeinsam mit ihren Kindern, all ihre Kraft aufwenden, um Georg zu schützen. Trotzdem setzt sie sich ebenso für ihre Patienten ein und versucht auch in der Psychiatrie möglichst viele von ihnen zu retten.

Auch Fritz bekommt, als bester Freund der Familie seine Momente, in denen wir ihn schon erleben dürfen. Um ihn geht es dann aber im zweiten Band, “Die Stimmlosen” noch deutlich stärker.

Irgendwie ein bisschen unwirklich erscheint es, wie die Menschen trotz des verheerenden Krieges versuchen ein normales Leben aufrecht zu halten. Erstaunlich ist es, dass Richard und Fritz es schaffen Freundschaften über Grenzen weg nicht nur zu bewahren, sondern sogar neue Bande zu knüpfen. Mitten in den Wirren des Krieges. Dies spricht absolut für die beiden sympathischen Männer. Melanie Metzenthin schildert die Angriffe auf Hamburg, die verheerenden Bomben, die auch Frauen und Kinder nicht verschonen. In diesen Zeiten sein Leben weiter zu leben ist unglaublich schwierig gewesen. Richard muss an die Front und Paula hält, wie so viele Frauen zu dieser Zeit, die Geschicke zuhause am laufen.

Übrigens, ob ihr es glaubt, oder nicht. Ich hatte mir das Buch als ebook gekauft und jetzt habe ich es mir auch als Taschenbuch geholt. Die Trilogie muss bei mir im Regal stehen. Das mache ich tatsächlich nur sehr selten.

Von mir gibt es 5 Federn und eine Leseempfehlung für die gesamte Trilogie. Sie ist einfach nur sehr spannend, berührend und hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.

Hier findet ihr meine Rezension zum dritten Band:
Die verstummte Liebe

Weitere Rezensionen zu “Im Lautlosen” findet ihr bei:
Monis Zeitreise
Buchmomente – 4 Sterne
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