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[Rezension] Leise Helden (3): Die verstummte Liebe – Melanie Metzenthin

Geposted am 10. Februar 2021 um 15:10

Rezension, Melanie Metzenthin, Tinte und Feder,

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Titel: Die verstummte Liebe
Reihe: Leise Helden; Band 3
Autorin: Melanie Metzenthin
Verlag: Tinte und Feder
Erscheinungsjahr: 2021
Einband: Taschenbuch, ebook
Seitenanzahl: 457

Meine Wertung: 5 Federn

Klappentext:

England 1896: Von der eigenwilligen Helen Mandeville erwartet ihre Familie vor allem eine standesgemäße Heirat. An ihrer Verlobung mit James Mitchell, einem schneidigen Anwalt mit besten Verbindungen, geht kein Weg vorbei. Aber dann verliebt Helen sich auf einer Bildungsreise in den deutschen Arzt Ludwig Ellerweg. Für ihn riskiert sie es, für immer mit ihrer Familie zu brechen.

Sie löst ihr Verlöbnis und reist heimlich nach Hamburg, um Ludwig zu heiraten. Es ist für beide die große Liebe und die Geburt ihres Sohnes Fritz macht ihr Glück komplett. Doch dann erfährt Helen, dass ihre Mutter im Sterben liegt und sie reist zurück nach England – nicht ahnend, dass der erste Weltkrieg ausbrechen und ihr Leben vollkommen verändern wird.

Rezension:

Wenn ich könnte, dann würde ich 10 Federn vergeben. Das Buch habe ich an einem Tag gelesen. Ich habe Nachts, ganz entgegen meiner Gewohnheit, bis 23 Uhr gelesen, weil ich es nicht aus der Hand legen konnte. So unglaublich gut!

Es handelt sich zwar um den dritten Band einer Reihe, das merkt man aber nicht. Ich habe es erst erfahren, als ich das Nachwort gelesen habe und mir Band 1 und 2 sofort bestellt. Ich muss unbedingt die Geschichte von Helenes Sohn Fritz lesen. Band 3 ist nämlich eigentlich die Vorgeschichte zu Band 1 und 2.

Der Einstieg fiel mir tatsächlich ein bisschen schwer. Der Prolog macht zwar extrem neugierig auf die Geschichte und die ersten knapp 50 Seiten gefielen mir gut, aber ich hatte das Gefühl mit der Geschichte nicht vorwärts zu kommen. Kennt ihr das, dass ihr gefühlt eine Ewigkeit lest und dann gerade mal 3 Seiten weiter seid? So erging es mir. Dann plötzlich, genau ab S. 48, zog mich die Geschichte nur noch in ihren Bann. Ich musste weiter und weiter lesen. Plötzlich war ich drin, ich fieberte mit Helen mit und ich war absolut an die Geschichte gefesselt.

Helen, Leni, war mir zuerst total sympathisch. Gefangen in den englischen Konventionen, will sie sich mit einem Leben an der Seite eines ungeliebten Mannes nicht zufrieden geben. Sie bricht aus ihrem aus diesen aus und befreit sich. Dabei nimmt sie ihr neues, weitaus weniger feudales Leben freudig an und findet sich schnell in das neue Leben ein. Von Ludwig und seiner Familie wird sie außerordentlich herzlich aufgenommen.

Nicht mehr verstehen konnte ich sie nach ihrer Rückkehr nach England. Ich kann hier nicht zu sehr ins Detail gehen, ohne zu spoilern, aber ich denke, dass es für beide Seiten Mittel und Wege gegeben hätte, um sich zu finden und wieder anzunähern. Ich habe nicht verstehen können, warum Ludwig keinen Kontakt zu Lenis Familie aufnimmt. oder tut er es vielleicht, und wir erfahren es nur nicht? Diese Frage wird sich ja eventuell in einem der anderen beiden Bände klären.

Obwohl vielleicht konnte ich sie doch verstehen, aber trotzdem hätte ich sie ein ums andere mal gerne geschüttelt. Wo ist die starke junge Frau geblieben? Wie kann es zu einer solch depressiven Phase kommen, dass sie ihren Sohn so behandelt, wie sie es tut? Wo ist die liebevolle Frau und Mutter aus Deutschland hin? Fragen über Fragen, mit denen Helene uns allein lässt. Helen ist nach ihrer Rückkehr nach England, die sie durch den Beginn des ersten Weltkrieges nicht beenden kann, und die sich daran anschließenden Ereignisse unglaublich verbittert. Sie ist durchaus eine Person, die einem leid tun kann.

Ludwig war über weite Strecken ein Traum von einem Mann. Ein schwerer Schicksalsschlag macht ihm dann jedoch schwer zu schaffen. Auch diese Situation wurde von Melanie Metzenthin eindrücklich geschildert und ich habe wirklich mit Leni und Ludwig gebangt, ob sie diesen Schicksalsschlag werden verkraften und zu alter Stärke zurück finden können.

James habe ich einfach nur gehasst. Unglaublich zu was dieser Mann fähig ist. Er täuscht nicht nur Helene, sondern auch den Leser über weite Strecken, bevor er sein wahres Gesicht zeigt. James ist für mich der Wolf im Schafspelz in dieser Geschichte. Er tut, als wolle er Helen unterstützen, aber letzten Endes ist er einfach nur selbstsüchtig.

Die Geschichte an sich ist sehr stark erzählt. Wir erleben mit Helene den ersten und den zweiten Weltkrieg und die geschilderten Ereignisse erschienen mir sehr authentisch. Ich konnte mir zur jeder Zeit vorstellen, dass diese Geschichte so oder ähnlich passiert ist. Ich habe während des Lesens angefangen, mir viele Gedanken zu machen. Eine falsche Entscheidung und das ganze Leben kann vorbei sein. Aber muss es das? Wie wäre es gewesen, wenn sie sich Ludwig offenbart hätte? Hätte er Verständnis gehabt? Wäre ihr gemeinsames Leben zu retten gewesen? Mit jeder Entscheidung, die wir treffen, stellen wir die Weichen, wie unser Leben weiter geht. Mal sind es weitreichende Ereignisse, mal Kleinigkeiten, aber alles, was wir tun und sagen hat Einfluss.

Der Schreibstil von Melanie Metzenthin ist mitreißend, aber nicht reißerisch. Sie erzählt sehr unaufgeregt Helenes Geschichte und hat es zumindest bei mir geschafft, mich total in den Bann der Geschichte zu ziehen. Nebenbei bekommt der Leser noch einen Einblick in das Leben des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Groß Britannien und in Deutschland.

Ob es zum Happy End kommt, das müsst ihr selbst lesen.

Von mir gibt es 5 Federn und eine Leseempfehlung.

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Buchsichten
Die Rezensentin – 5 Sterne

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