Rezensionen,  4 Federn,  Gelesen 2019

[Rezension] Das Haus der Sehnsucht – Romina Gold

Rezension, Romina Gold, Feuerwerke Verlag

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Titel: Das Haus der Sehnsucht
Reihe: Einzelband
Autorin: Romina Gold
Verlag: Feuerwerke Verlag
Erscheinungsjahr: 2019
Einband: ebook, Taschenbuch
Seitenanzahl: 312

Meine Wertung: 4 Federn

Klappentext:

Michelle und Alexander lieben sich. Und doch dürfen sie nicht zusammen sein, denn Alexander ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn. In ihrem Liebeskummer zieht sich Michelle in ein idyllisch gelegenes Haus am Pleasant Lake zurück. Dort trifft sie auf den sympathischen Matt, der wieder Freude in ihr Leben bringt. Doch so sehr sie es auch versucht, sie kann Alexander nicht vergessen. Erst ein schockierender Schicksalsschlag bringt sie dazu, ihre Lebensplanung erneut zu überdenken …

Rezension:

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht dachte, dass mir die Geschichte so gut gefallen würde. Ich habe große Probleme damit, wenn Menschen ihre Partner betrügen. Es kann immer etwas passieren, die Liebe schwindet, wie auch immer… aber dann zieht man (meiner Ansicht nach) einen klaren Schlussstrich. Hinter dem Rücken des Partners mit einem/ einer anderen anbandeln ist einfach nur widerlich. Für mich etwas Unverzeihliches. Von daher war ich ein bisschen skeptisch, wie ich mit dem Betrug, den Michelle und Alexander begehen, klar kommen würde. Aber, ich wusste, dass ich den Schreibstil von Romina Gold mag und so ließ ich mich auf die Geschichte ein.

Ich war sofort Mitten drin. Sowohl Michelle, als auch Alex sind sehr sympathische Charaktere. Alex lebt in einer sehr unglücklichen Ehe zu seiner Frau Clare, die eigentlich bereits seit Jahren beendet werden könnte. Warum tun die Beiden es nicht? Gesellschaftliches Ansehen… “was denken die Leute?” ist wichtiger, als das eigene Glück. Gerade an Alex und Clare arbeitet die Autorin sehr schön heraus, wie wichtig es ist, miteinander ins Gespräch zu kommen. Hätten die beiden den Weg gefunden, miteinander zu reden, wäre alles anders gelaufen.

Michelle war mir ebenso sympathisch, allerdings schien sie mir teilweise etwas unselbstständig. Sie hat sich selbst in die Situation hinein manövriert, braucht dann aber dann doch ziemlich viel Unterstützung von ihrem Umfeld. Auch wenn sie mir eigentlich total sympathisch war, ist ihr Verhalten weder Clare noch Matt gegenüber fair.

Clare und ihre Depression hätten noch mehr Thema sein dürfen. Clare bleibt seltsam blaß und unnahbar für mich. Obwohl sie diejenige ist, die hier hintergangen wird, kommt sie kaum zu Wort. Sie ist definitiv nicht der Mensch, der durch einen großen Auftritt hervorsticht, dabei hätte sie allen Grund gehabt, aus der Haut zu fahren. Ich hätte mir für sie gewünscht, dass sie sich Alex zur Brust nimmt und ihn mal richtig anschreit. Clare aber frisst ihren Kummer in sich hinein. Sie tat mir das ganze Buch über so unendlich leid.

Die Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Es gibt einige unerwartete Wendungen und man ist sich sehr lange nicht sicher, wie Michelle sich entscheiden wird. Für wen sie sich letzten Endes entschieden hat, war dann doch etwas vorhersehbar. Ich fürchte, dass ich mir für sie gewünscht hätte, dass sie etwas mehr leiden muss und nicht von allen Seiten Hilfe erhält. Ist kein feiner Zug von mir, ich weiß, aber was sie getan hat ist einfach nicht zu entschuldigen.

Alex hat wenigstens noch mit ein paar Problemen zu kämpfen. Wegen des Kindes hätte man ihm gewünscht, dass es glatter läuft, aber für ihn war es schon die gerechte Strafe, dass nicht alles so glatt abgeht.

Ich persönlich habe kein Verständnis für das Verhalten von Michelle und Alex. Zweitweise kam ich während des Lesens ins grübeln, aber letzten Endes bleibe ich dabei, dass das Verhalten unter aller Kanone ist. Trotzdem habe ich die Geschichte total genossen, denn sie ist spannend und unterhaltsam.

Fraglich ist, wie man das Ende der Geschichte beurteilen soll. Einerseits hatte ich das Gefühl, dass die Autorin es sich mit diesem Ende ein bisschen zu einfach macht. Andererseits kam erst nach dem, was ich hier nicht spoilern will, wirklich Tiefe in die Geschichte. Erst jetzt fangen Alex und Michelle wirklich an, Gewissensbisse zu entwickeln. Für mich kamen diese Gewissensbisse ein bisschen spät. ACHTUNG SPOILER zum lesen markieren Ganz ehrlich, solange Clare am Leben war hatten die Beiden ein kleines bisschen schlechtes Gewissen, aber letzten Endes haben sie sich nicht wirklich damit auseinandergesetzt, dass sie Clare hintergehen. Nun ist sie tot und nun kommen die Gewissensbisse, was ihr jetziges Zusammensein angeht? Etwas spät für meinen Geschmack.

Von mir gibt es 4 Federn, dann ich hätte mir ein bisschen mehr den moralischen Zeigefinger gewünscht, wer auch immer ihn hätte erheben sollen. Sicher kann man Michelle und Alex an dem, was passiert ist nicht die Hauptschuld geben, aber sie tragen mit ihrem Verhalten auf jeden Fall eine Teilschuld und die wird sie ihr Leben lang begleiten.

Weitere Rezensionen findet ihr bei:
Daggis Welt – 5 Sterne
Unsere zauberhaften Bücherwelten – 5 Sterne

Weitere Bücher, die ich von Romina Gold rezensiert habe:
Sieh nicht zurück – Solid Rock; Band 1
Geh deinen Weg – Solid Rock; Band 2

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26. Mai 2019 10:47

Hallo Yvonne,
erstmal wünsche ich dir einen wundervollen Urlaub! Geniess die Zeit und tanke Kraft (auch für neue tolle Rezensionen 😉
Zum Buch: Irgendwie hört es sich so an, als wenn die Autorin sich nicht hätte entscheiden können, welche moralische Position sie einnehmen will. Diese blassen Charaktere sind für mich immer ein Zeichen, dass die/der Autor*in nicht mit sich im Reinen ist, was er mit einer Figur anfangen will. Just my 2 Cents!
Liebe Grüße, Jürgen

26. Mai 2019 12:32

Hallo Yvonne,

Deine Eingangsworte kann ich voll und ganz unterschreiben. Ich habe schon Verständnis dafür, dass man sich in jemand anderen verliebt, während man noch anderweitig gebunden ist. Seine Gefühle hat man schließlich nicht unter Kontrolle. Aber ob und wie man das auslebt und wie man mit seinem (Noch-)Partner umgeht, ist für mich entscheidend. Hinter dem Rücken des Partners agieren, Lügen und Verheimlichen, das geht für mich gar nicht. So ein “Fremd-Verlieben” kann der Anfang vom offiziellen Ende eher Ehe sein, die schon länger nicht mehr stimmt, aber auch eine Krise, durch die man sich klar wird, dass man sich doch nicht trennen will. Das geht aber beides nur, wenn man mit offenen Karten spielt und schmerzhaft alles offenlegt – finde ich. Deshalb ist so ein Dilemma ein interessantes Thema für einen Roman.

Ich lese aus Deiner Rezension, dass hier nicht schwarz-weiß gemalt wird, sondern die Gefühle zwiespältig sind und die Menschen, deren “unmoralisches” Verhalten man eigentlich nicht gut finden sollte, durchaus sympathisch sind. Das gefällt mir!

Da hier drei Personen beteiligt sind, hätte ich genau wie Du auch Clares Sicht gerne näher beleuchtet. Vor allem, wenn Du die Depressionen erwähnst, werde ich aufmerksam. Ich freue mich immer, wenn dieser Aspekt nicht das eigentliche Thema eines Buches ist, aber darin vorkommt und da sich so eine Krankheit natürlich auch auf die schwierige Gefühls-Konstellation auswirkt, hätte man das für meinen Geschmack gerne vertiefen können. Vielleicht hat sich die Autorin da nicht rangetraut?

Eigentlich finde ich die Konstellation und das Thema interessant, aber es klingt fast so, als wäre hier eine Gelegenheit nicht gut genutzt worden und das Buch würde sich etwas zu sehr an der Oberfläche bewegen.

Hab einen schönen Sonntag!
LG Gabi

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