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[Rezension] Jan Fedder: Unsterblich – Tim Pröse

Geposted am 22. April 2020 um 13:18

Rezension, Cover, Tim Pröse, Jan Fedder, Heyne Verlag

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Titel: Jan Fedder: Unsterblich
Reihe: Einzelband
Autor: Tim Pröse
Verlag: Heyne
Erscheinungsjahr: 2020
Einband: Hardcover
Seitenanzahl: 256

Meine Wertung: 5 Federn

Klappentext:

Die erste und einzige autorisierte Biografie von Jan Fedder – mit unveröffentlichten exklusiven Fotos und Interviews
»Ich habe alles gelebt und erlebt. Ich habe all meine Sehnsüchte gestillt und ich vermisse nichts. Denn was bleibt von einem Menschen? Seine Knochen. Und seine Geschichten.« Jan Fedder

Jan Fedder: direkt, gerade, ehrlich, kein Diplomat, aber mit großem Herzen für die Menschen – so verkörperte er wie kein zweiter DEN Hamburger schlechthin. Er starb am 30. Dezember 2019.
Jan Fedder war nicht nur ein großer Schauspieler, sondern vor allem ein großartiger Mensch, einer von den ganz großen, die es so nie wieder geben wird. Er spielte Dirk Matthies in der ARD Serie »Großstadtrevier«, den Bauern Kurt Brakelmann in »Neues aus Büttenwarder«. Denkwürdige Rollen als Bootsmann Pilgrim im Film »Das Boot« und in den Siegfried-Lenz-Verfilmungen »Der Mann im Strom« und »Das Feuerschiff« zeigen ihn als Darsteller ernsterer Charaktere. Doch bei allen Erfolgen sagte Jan Fedder von sich: »Hauptberuflich bin ich Mensch – im Nebenberuf bin ich Schauspieler.«

Jetzt erzählt Tim Pröse das Leben dieses einzigartigen Mannes. Kurz vor seinem Tod erreichte Jan Fedder das vollendete Manuskript, gespickt mit vielen Zitaten – die autorisierte Biografie, in der Jan Fedder selbst, seine Frau Marion, Freunde und Weggefährten über ihn sprechen, die Geschichte seines Lebens erzählen – in voller Länge, mit all den schönen und jubelnden wie auch mit wehmütigen und traurigen Kapiteln. Aufrecht und geradlinig steht er vor uns! Von einem wie ihm kann man nur lernen…

Rezension:

Diese Biografie habe ich an einem Tag verschlungen. Im Nachhinein weiß ich nicht, ob dies Jan Fedder und Tim Pröse gerecht wird. Sollte man diese Biografie nicht lieber in kleinen Häppchen genießen, das, was man liest, ganz tief in sich aufnehmen? Ich konnte es nicht. Ich war gefesselt und musste weiterlesen und weiterlesen.

Tim Pröse zeichnet, wie ich es nicht anders von ihm erwartet hatte, sehr sensibel das Portrait eines einzigartigen Hamburgers. Ich habe jede Seite, jeden Satz genossen und ich war gefangen im Leben des Jan Fedder. Im Leben des Mannes, der einer von uns war, hier um die Ecke seinen Bauernhof hatte und bis zum Ende, wenn auch ein bisschen egozentrisch, so anscheinend doch sehr bodenständig geblieben ist. Ganz norddeutsch schlicht.

Angefangen bei seiner Kindheit über die ersten Versuche im Schauspiel Fuß zu fassen, dem Durchbruch mit dem Großstadtrevier und die schweren Zeiten seiner Krankheit, die er mit bewundernswerter Gleichmut angenommen hat. Gefallen hat mir, dass hier niemand versucht irgendetwas auszuschlachten. Fast nüchtern, aber dennoch mit einer unglaublichen Tiefe, zeichnet der Autor die Stationen aus Fedders Leben nach. Durch seine Paraderollen im Großstadtrevier und in Büttenwarder hat man das Gefühl, ihn zu kennen und kennt ihn doch nicht. Jan Fedder gewährt uns, mit der von ihm autorisierten Biografie, einen Einblick in sein Leben, vielleicht sogar einen ganz kleinen Einblick in seine Seele.

Ich habe viele interessante Aspekte rund um den Menschen und rund um den Schauspieler erfahren. So war mir z. B. nicht bewusst, dass Jan Fedder Zeit seines Lebens gläubig war und an diesem Glauben auch nicht gezweifelt hat. Im ersten Moment passt dies gar nicht zu dem doch eher raubeinigen Mann. Blickt man aber tiefer hinter die Fassade, dann scheint sich da ein sensibler Mensch versteckt zu haben, der sich immer und immer wieder für andere eingesetzt hat. Er hat sie scheinbar nie davor gescheut, auszusprechen, was er dachte. Einerseits bewundere ich solche Menschen, die scheinbar keine Angst vor nichts haben. Andererseits darf man ab und an auch ein bisschen zurücknehmen. Ich habe, nach dem Lesen dieser Biografie, das Gefühl, dass ihm das nicht wirklich lag. Immer das volle Leben.

Natürlich kennt man nur den Schauspieler Jan Fedder, aber dennoch hat man das Gefühl, der Mensch Jan Fedder steht einem genau gegenüber und erzählt einem selbst aus seinem Leben. Aus meiner Sicht hat Tim Pröse es geschafft, den unverwechselbaren Ton Fedders zu treffen und genau der kommt auch beim Leser an.

Zu Wort kommen auch Freunde und seine Frau Marion. Ihre Art eine Ehe zu führen empfand ich als sehr sonderbar. Letzten Endes müssen aber die beiden Menschen die es betrifft, damit glücklich sein und zumindest das meine ich herausgelesen zu haben: sie waren es. Aus allen Interviews hört man die Liebe und den Respekt vor dem Freund bzw. Partner Jan Fedder heraus.

Wer sich für diesen ganz Großen der Schauspielerei und einen echten Norddeutschen interessiert, dem kann ich die Biografie nur ans Herz legen. Von mir gibt es 5 Federn.

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