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[Rezension] Die Tribute von Panem: Das Lied von Vogel und Schlange – Suzanne Collins

Geposted am 3. Juni 2020 um 17:15

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Titel: Das Lied von Vogel und Schlange
Reihe: Die Tribute von Panem X
Autorin: Suzanne Collins
Verlag: Oetinger Verlag
Erscheinungsjahr: 2020
Einband: Hardcover, ebook
Seitenanzahl: 608

Meine Wertung: 3 Federn

Klappentext:

Ehrgeiz treibt ihn an.

Rivalität beflügelt ihn.

Aber Macht hat ihren Preis.

Es ist der Morgen der Ernte der zehnten Hungerspiele. Im Kapitol macht sich der 18-jährige Coriolanus Snow bereit, als Mentor bei den Hungerspielen zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Die einst mächtige Familie Snow durchlebt schwere Zeiten und ihr Schicksal hängt davon ab, ob es Coriolanus gelingt, seine Konkurrenten zu übertrumpfen und auszustechen und Mentor des siegreichen Tributs zu werden.

Die Chancen stehen jedoch schlecht. Er hat die demütigende Aufgabe bekommen, ausgerechnet dem weiblichen Tribut aus dem heruntergekommenen Distrikt 12 als Mentor zur Seite zu stehen – tiefer kann man nicht fallen. Von da an ist ihr Schicksal untrennbar miteinander verbunden. Jede Entscheidung, die Coriolanus trifft, könnte über Erfolg oder Misserfolg, über Triumph oder Niederlage bestimmen. Innerhalb der Arena ist es ein Kampf um Leben und Tod, außerhalb der Arena kämpft Coriolanus gegen die aufkeimenden Gefühle für sein dem Untergang geweihtes Tribut. Er muss sich entscheiden: Folgt er den Regeln oder dem Wunsch zu überleben – um jeden Preis.

Rezension:

Ich bin wirklich zwiegespalten, was dieses Buch angeht. Ich hatte Angst, dass es sich nur um Geldmacherei handelt, dass man eine erfolgreiche Trilogie wieder aufleben lässt und ich muss sagen, dass diese Angst aus meiner Sicht nicht ganz unbegründet war. Versteht mich nicht falsch. Das Buch ist nicht schlecht, aber es kommt bei Weitem nicht an die ersten beiden Bände der Panem-Trilogie heran. Es fehlt die Tiefe, die gerade den ersten Band für mich einzigartig gemacht hat.

Die Geschichte spielt weit vor den ersten drei Bänden. Wir erleben die 10. Hungerspiele und damit das Abschlussjahr des späteren Präsidenten von Panem, Coriolanus Snow. Wir befinden uns genau 64 Jahre vor dem ersten Band.

Das Potential, sich mit dem späteren Präsidenten Snow auseinander zu setzen, uns zu zeigen, warum er wurde, wie er in der späteren Trilogie ist, wurde aus meiner Sicht verschenkt. Für mich hat sich Snow über weite Strecken als eher indifferente Person dargestellt, die selbst nicht so ganz genau weiß, wer sie eigentlich ist. Erst zum Ende hin kristallisiert sich seine wahre Persönlichkeit heraus. Mir fehlt aber die Auseinandersetzung damit, warum er sich so entwickelt.

Coriolanus Snows Zuneigung zu Lucy Gray war für mich schwer nachvollziehbar. Liebt er wirklich? Ist er zu Liebe fähig. Ich bin mir nicht sicher, ob das Wissen, was man über den deutlich älteren Snow hat, den Blick trübt, oder ob auch in diesem Band schon durchschimmert, dass er zu Liebe eigentlich nicht fähig ist. Sein Wille, die Hungerspiele zu gewinnen, war mir schon eher deutlich. Das Streben nach Macht, vor allem für einen jungen Mann, der alles verloren hat, ist ein starker Motivator. Ja, ein Machtmensch ist Snow auch in jungen Jahren bereits. Er schreckt vor nichts zurück, um sich selbst ins rechte Licht zu rücken.

Auch die Gefühle Lucy Grays konnte ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Auf mich wirkte es, als würde es sich um das Stockholm-Syndrom handeln. Leider wird ihr Verhalten nicht aufgelöst. Ansonsten ist sie eine durchaus interessante Persönlichkeit, die ziemlich farbenfroh daher kommt und mit einer tollen Singstimme gesegnet ist. Gut gefallen hat mir, dass durch Lucy Gray auch ein Bogen zu den anderen Bänden geschlagen wird, da sie das Lied vom Henkersbaum zu dieser Zeit singt. Nun wird auch die Bedeutung des Liedes dem Leser so richtig klar.

Insgesamt ist die Geschichte interessant geschrieben, auch wenn die 10. Hungerspiele vom Ablauf her natürlich noch bei Weitem nicht mit den späteren Hungerspielen mithalten können. Es ist alles noch im Aufbau und die Hungerspiele an sich sind eher langweilig. Interessant war es aber, zu erleben, wie diese ablaufen, woraus sich die Hungerspiele immer weiter entwickeln. Es war auch spannend einen Einblick zu erhalten, wie diese entstanden sind. Sehr erschreckend, wie aus einer grausamen Idee Wirklichkeit geworden ist. Ich finde allerdings, dass es dem Buch ein bisschen an Spannung fehlt. Der Plot ist relativ dünn und gefühlt warten wir relativ oft relativ lange darauf, dass etwas Spannendes passiert.

Würze bringt die damalige Spielemacherin, Dr. Gaul, in die Geschichte. Die Frau ist nicht ohne und wirklich nah am Rande (oder vielleicht auch drüber) der Verrücktheit. Ihre Motive waren nachvollziehbar dargestellt und man hatte als Leser schnell den Eindruck, dass sie nicht nur die Hungerspiele, sondern durchaus auch ganz Panem steuert.

Der Schreibstil von Suzanne Collins ist mitreißend und ich habe das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen. Was ihr aber bei mir nicht gelungen ist, ist das Grauen aufleben zu lassen, welches mich beim lesen der ersten beiden Bände erfüllt hat. Wir haben zwar in diesem Band noch deutlich mehr Kritiker, die sich gegen die Hungerspiele aussprechen, ich hätte mir aber gewünscht, dass diese sich deutlich stärker mit dem moralischen Aspekt auseinandersetzen.

Einzig Sejanus, ein Junge aus Distrikt 2, der durch glückliche Umstände und das Geld seines Vaters ins Kapitol gelangt ist, stellt sich dem Wahnsinn im Rahmen seiner Möglichkeiten entgegen. Letzten Endes kann aber auch er wenig ausrichten. Auch Sejanus schwankt immer irgendwo zwischen Vernunft und Wahnsinn. Er war für mich die einzige Figur, dessen Motive ganz klar und eindeutig waren. Sein Verhalten konnte ich sehr gut nachvollziehen.

Ich muss gestehen, dass ich wirklich lange mit mir gerungen habe, ob ich 3 oder 4 Federn vergebe. Ich liebe die Tribute von Panem. Alles! Die Bücher, die Hörbücher, die Filme. Ich habe auf diesen Band hingefiebert, ihn vorbestellt und am Erscheinungstag angefangen zu lesen. Ich war geneigt, dem Buch aus diesem Grund 4 Federn zu geben, aber letzten Endes muss ich sagen, dass das nicht richtig wäre. Von mir gibt es 3 Federn, denn aus meiner Sicht hat Suzanne Collins hier sehr viel Potential verschenkt.

Weitere Rezensionen findet ihr bei:
Booksnerds by Kerstin – 5 Sterne
Nadines Lesecouch – 4 Sterne

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