[Rezension] Die Goldene (2): Unter grauen Schatten – Jella Benks

Titel: Unter grauen Schatten
Reihe: Die Goldene; Band 2
Autorin: Jella Benks
Verlag: Selfpublishing
Erscheinungsjahr: 2021
Einband: Taschenbuch
Seitenanzahl: 400
Meine Wertung: 3 Sterne
Klappentext:
Abseits des Reichs findet Liah endlich Freiheit, doch die hat ihren Preis. Liah soll das System und alles, was ihr vertraut ist, hintergehen und fortan unter Menschen leben, die sie ihr Leben lang für Feinde hielt. Während die Schatten mit ihr als goldener Rebellin die Stimmung im bronzenen Ring anheizen, muss Liah herausfinden, ob sie Zayne vertrauen kann. Viel Zeit bleibt ihr dafür nicht, Arjan hat bereits seine eigenen grausamen Pläne, um sie zurück an seine Seite zu zwingen. Düstere Prophezeiungen pflastern Liahs Weg und ein Geheimnis reicht so tief, dass es jede aufkeimende Hoffnung zerstören wird.
Rezension:
Im zweiten Band befindet sich Liah nun bei den Schatten. Gemeinsam mit ihr lernen wir nach und nach deren Welt kennen. Allerdings muss ich auch hier wieder sagen, dass mir der Weltenbau nicht ausführlich genug ist. Es werden zwar neue Bereiche und Lebensweisen vorgestellt, aber vieles bleibt einfach offen. Wovon leben die Menschen außerhalb der Ringe? Wie funktioniert ihr Alltag? Wie ist ihre Gesellschaft aufgebaut? Darauf bekommt man leider kaum Antworten.
Auch Zayne wird immer undurchsichtiger. Ich wusste beim Lesen nie so richtig, ob Liah ihm tatsächlich vertrauen kann oder ob er vielleicht doch eigene Ziele verfolgt. Dazu trägt auch Rune bei, der in diesem Band neu eingeführt wird und ebenfalls zu den Schatten gehört. Auf mich wirkte er zunächst durchaus vertrauenswürdig, aber auch bei ihm bleibt die Frage, welche Rolle er letztendlich spielen wird.
In diesem Band geht es vor allem darum, Liah für die Zwecke der Schatten zu gewinnen. Auch hier bleibt die Autorin bei ihren Absichten allerdings lange Zeit sehr vage. Die Zwillinge Rahel und Troian erzählen Liah grob, was sie mit ihren Filmen vorhaben. So richtig erschließt sich mir allerdings nicht, wie sie damit tatsächlich eine Revolution auslösen wollen. Die Idee dahinter hätte meiner Meinung nach durchaus Potenzial gehabt, wird aber leider nicht wirklich ausgearbeitet. Letzten Endes kommt es noch zu einer kleinen Revolte, aber es fehlt nach wie vor an Tiefe bei dieser Geschichte.
Eine Sache hat mich in diesem Band allerdings wirklich gestört und ich kann sie bei meiner Bewertung auch nicht unerwähnt lassen, ohne zumindest ein wenig zu spoilern. Im Laufe der Geschichte kommt eine Wahrheit über Liah und Zayne ans Licht, die ihre Beziehung in ein völlig anderes Licht rückt.
Dass man Gefühle nicht einfach abstellen kann, ist für mich vollkommen nachvollziehbar. Schließlich haben die beiden sich ineinander verliebt, ohne zu wissen, was sie verbindet. Aber in dem Moment, in dem diese Wahrheit bekannt wird, hätte ich von beiden eine gewisse Reflexion und Konsequenz erwartet. Stattdessen führen sie ihre Beziehung heimlich weiter.
Das fand ich ehrlich gesagt ziemlich verwirrend. Nicht, weil ich ihnen vorwerfe, dass sie Gefühle füreinander haben – dafür können sie zunächst einmal nichts. Aber als erwachsene Menschen sollten sie meiner Meinung nach in der Lage sein, die Konsequenzen aus dieser neuen Situation zu ziehen und ihre Beziehung zu beenden. Vor allem hätte ich mir hier von der Autorin deutlich mehr Auseinandersetzung mit diesem Thema gewünscht. Eine solche Situation bietet unglaublich viel Potenzial für innere Konflikte, Zweifel, Schuldgefühle und die Frage, wie man mit einer Wahrheit umgeht, die das eigene Leben komplett verändert. Stattdessen wird dieser Aspekt für meinen Geschmack viel zu oberflächlich behandelt.
Auch der Anführer der Schatten, Dorian, bleibt für mich ziemlich farblos. Ebenso führt die Autorin mit Stella eine weitere Gegenspielerin für Liah ein. Stella ist die verschmähte Liebe von Zayne und bringt damit natürlich noch ein bisschen zusätzliches Drama in die Geschichte. Ich muss gestehen, dass ich Stella zu Beginn nicht mochte, im Laufe der Geschichte wird sie mir aber durchaus sympathisch. Ich glaube fast, dass sie eine der wenigen Figuren ist, die geradlinig für das einstehen, was sie wollen und dies auch kommunizieren. Dabei bleibt sie sich selbst auf jeden Fall immer treu.
Irgendwie ist einfach alles so unglaublich stereotyp. Der geheimnisvolle Mann, die verschmähte Ex-Liebe, die böse Gegenspielerin, die Rebellion gegen das System … eigentlich hätte man aus dieser Geschichte so viel mehr herausholen können. Gerade deshalb finde ich es schade, dass vieles nur angerissen wird und die Figuren ebenso wie die Welt kaum die Möglichkeit bekommen, wirklich Tiefe zu entwickeln.
Trotzdem liest sich auch der zweite Band wieder flüssig und irgendwie auch fesselnd. Die Geschichte ist kurzweilig und man möchte durchaus wissen, wie es weitergeht. Allerdings hoffe ich, dass die nächsten Bände endlich etwas mehr Tiefe bekommen und die Autorin die vielen interessanten Ansätze auch wirklich nutzt.
Von mir gibt es wieder 3 Sterne, wobei ich wegen der Geschichte zwischen Liah und Zayne kurz überlegt habe, ob ich nicht nur 2 Sterne vergeben möchte.
Meine Rezension zum ersten Band findest du hier:
Gefangen im System