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[Rezension] Mein Name ist nicht Freitag – Jon Walter

Geposted am 15. Oktober 2019 um 10:30

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Titel: Mein Name ist nicht Freitag
Reihe: Einzelband
Autor: Jon Walter
Verlag: gedruckte Ausgabe ehemals im Königskinder Verlag; aktuell ebook im Carlsen Verlag
Erscheinungsjahr: 2017
Einband: Hardcover (wird nicht mehr aufgelegt), ebook
Seitenanzahl: 443

Meine Wertung: 5 Federn

Klappentext:

Samuel ist bei Gott. Seltsam nur, dass es im Himmel stockdunkel ist, die Vögel trotzdem singen und dass er gefesselt ist. Als er vor Gottes Angesicht tritt, sieht der eher aus wie Der Teufel. Und Der Teufel nennt ihn Freitag und verkauft ihn als Sklaven an einen weißen Jungen, der gerade mal so alt ist wie Samuel. Für 600 Dollar. Er kommt auf eine Plantage in Mississippi, wo es keinen interessiert, wer er ist, dass er lesen kann, dass er zu seinem kleinen Bruder muss. Aber der Bürgerkrieg rückt immer näher – und damit auch die Hoffnung auf Freiheit.

Rezension:

Leider gibt es das Hardcover nicht mehr zu kaufen, denn es wurde im Königskinder Verlag, einem Imprint des Carlsen Verlages, der inzwischen eingestellt wurde, verlegt. Das ebook wird aber zum Glück nach wie vor vertrieben. Wenn euch das Buch also interessiert, dann habt ihr noch die Möglichkeit dazu, es zu lesen. Nachtrag: Ich habe gerade gesehen, dass es noch Hardcover über Amazon gibt. Schnell zuschlagen!

Dieses Buch lag recht lange auf meinem SuB, bis ich es endlich davon befreit habe und ich hätte es früher tun sollen. Die Geschichte um Samuel, der von seinen Herren nur Freitag genannt wird, hat mich wirklich berührt. Es handelt sich nicht um eine wahre Geschichte, sondern reine Fiktion, auch wenn einige Ereignisse wahren Begebenheiten angelehnt sind. Der Autor selbst nimmt im Nachwort dazu Stellung.

Die Geschichte wird komplett aus Samuels Perspektive erzählt und der Leser wird dem Kind sehr nahe an die Seite gestellt. Ich konnte nicht umhin, den mutigen kleinen Jungen zu bewundern. Obwohl das Leben Samuel sehr ungerecht mitspielt, obwohl er nicht immer genug zu essen hat, nicht immer gut behandelt wird und sehr viel Ungerechtigkeit ertragen muss, verliert er nie seinen Glauben in Gott. Er hadert, er zweifelt, aber er gibt nicht auf. Ich glaube tatsächlich, dass ein fester Glaube einen Menschen stützen kann, aber ich halte es für sehr schwer, auch in Zeiten, die es nicht gut mit einem meinen, diesen Glauben festzuhalten. Samuel schafft es, und er schafft noch viel mehr. Er gibt den Menschen, mit denen er tagtäglich zusammenlebt Hoffnung und Mut.

Das Buch wird ab 14 Jahren empfohlen und ich denke, dass dieses Alter richtig ist, um das Buch zu lesen. Jüngere Leser sollten es nicht unbedingt zur Hand nehmen. Auch wenn die Geschichte nicht vom brutalen Sklavenbesitzer geprägt ist, wie wir ihn z. B. aus 12 Years a Slave kennen, ist die Geschichte trotzdem recht heftig. Ich denke, dass man ein gewisses Alter bzw. eine gewisse Reife erreicht haben muss, um die Geschichte in all ihren Aspekten erfassen zu können.

Es geht in Samuels Geschichte vor allem darum, was es mit einem Menschen macht, der als freier “Mann” geboren wird, dem dann mit einem Handstreich alles genommen wird. Sein Name, seine Würde, seine Freiheit. Auch wenn Samuels Leben in einem Kinderheim nicht das beste aller Leben ist, so ist es doch frei. Mit der Übergabe Samuels an den Sklavenhänder verliert er auf einen Schlag diese Freiheit und seinen Namen.

Fortan ist er nur noch Freitag, der Tag, an dem seine Freiheit endete. Wir lesen die Geschichte eines Jungen und seiner Mitsklaven, die in den Augen der weißen Bevölkerung nichts können und doch als Arbeitskräfte etwas wert sind. Für einen Sklaven wurden, umgerechnet auf heutige Verhältnisse, zwischen 20.000 und 60.000 Dollar gezahlt, wie der Autor uns im Nachwort berichtet. Die Unterhaltungskosten eines Sklaven wurden gegen dessen Produktivität aufgerechnet, um seinen Wert zu ermitteln. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das ist abscheulich.

Ehrlich gesagt ist diese Geschichte von Zeit zu Zeit schwer zu ertragen. Zumal vor dem Hintergrund, dass wir hier nicht über längst vergangene Zeiten reden. Die Sklaverei wurde in Amerika erst mit einem Zusatzartikel zur Verfassung am 18. Dezember 1865  abgeschafft. Bis heute kämpfen Menschen mit dunklerer Hautfarbe um ihre Gleichberechtigung und das nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika, sondern überall auf der Welt. Das Thema an sich ist also noch lange nicht aus der Welt.Es ist einfach verrückt, dass wir auch heute noch nicht begriffen haben, dass die Hautfarbe rein gar nichts über die Fähigkeiten, Möglichkeiten und das Wesen eines Menschen aussagt.

Von mir gibt es 5 Federn für eine Geschichte, die das Leben eines Kindes zur Zeit des Sklavenhandels beschreibt, so nicht passiert ist, aber so hätte passiert sein können. Ein gut aufgebautes, nicht zu grausames Werk, um Jugendlichen die Zeit der Sklaverei näher zu bringen.

Weitere Rezensionen findet ihr bei:
lesen und mehr
Kerstin von KeJas BlogBuch

Eine sehr spannende Auseinandersetzung mit dem Buch und der Sklaverei findet ihr hier:
AstroLibrium

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