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[Rezension] Liebe und andere Handicaps – Rona Cole

Geposted am 25. April 2017 um 8:25

Rezension, Cursed Verlag, Rona Cole

Titel: Liebe und andere Handicaps
Autorin: Rona Cole
Verlag: Cursed Verlag
Erscheinungsjahr: 2017
Einband: Taschenbuch
Seitenanzahl: 462

Meine Wertung: 4 Federn

Klappentext:

Chris‘ Leben ist zu Ende – zumindest glaubt er das, seitdem er nach einem schweren Unfall im Rollstuhl sitzt. Als jedoch Ergotherapeut Hannes ihm nach einem Missgeschick im Treppenhaus zu Hilfe kommt, wird Chris‘ Welt erneut auf den Kopf gestellt. Denn Hannes kennt nicht nur einige Tricks, um ihm den Alltag zu erleichtern, er weckt auch Gefühle in Chris, die für ihn längst gestorben waren. Doch hat ihre aufkeimende Beziehung überhaupt eine Chance, wenn ein Partner so eingeschränkt ist?

Rezension:

Mittags angefangen, die Nacht durchgelesen und am nächsten Tag schon wieder fertig. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, so habe ich, ganz entgegen meiner Gewohnheit, tatsächlich bis nachts um halb Zwei gelesen. Spricht für das Buch. Die Geschichte von Chris und Hannes ist super spannend erzählt und man fiebert so mit den Figuren mit. Immer wieder hofft man mit den beiden Männern, dass sie die Liebe, die sie füreinander empfinden, auch endlich leben. Aber nein… es wäre ja kein 462 Seiten starkes Buch geworden, wenn es so einfach wäre. Missverständnisse, verletzte Gefühle, das Gefühl, unzulänglich zu sein, aber auch Eitelkeiten, säumen den Weg beider Protagonisten.

Chris Verhalten nachzuvollziehen fiel mir von Zeit zu Zeit etwas schwer. Seit einem Unfall ist er von der Hüfte an abwärts gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dies reicht, um einen Menschen ungerecht werden zu lassen und mit dem Leben zu hadern. Dennoch ging mir sein Selbstmitleid besonders, als es auf das Ende des Buches zuging, auf die Nerven. Festmachen will ich das an einem Beispiel. Da es sich aber um einen Spoiler handelt, müsst ihr den Text zum Lesen markieren. Chris und Hannes haben miteinander geschlafen, alles könnte wirklich schön sein, aber Chris hat Hannes verschwiegen, dass er noch mit jemandem zusammenlebt. Die Liebe ist von Chris Seite nicht mehr da, nie da gewesen, aber nichts desto trotz lebt sein Partner mit ihm in einer Wohnung. Als Hannes nach der gemeinsamen Nacht spontan vorbei kommt, trifft er auf Torsten. Hannes läuft weg, was ich absolut nachvollziehen kann. Chris aber sucht nicht etwa die Schuld bei sich, oder reflektiert mal, warum Hannes abgehauen ist. Nein, er versinkt im Selbstmitleid und meint, dass Hannes ihn sowieso nicht lieben kann. Mit rund 30 Jahren dürfte er aber genug Grips haben, um zu erkennen, dass nicht er das Opfer ist, sondern in diesem Fall tatsächlich Hannes. In seinem Leben vor dem Unfall war Chris ein echter Arsch.  Ein Leben, immer auf der Überholspur. Sich nun daran zu gewöhnen, Hilfe annehmen zu müssen, sein Leben komplett umgestalten zu müssen, ist ganz bestimmt nicht einfach. Deswegen war man an der einen oder anderen Stelle bereit, um zu verzeihen, dass er sich unmöglich benimmt. Im Laufe des Buches macht Chris durchaus eine deutliche Entwicklung durch, die ich nachvollziehbar fand, vor allem, weil es keine 180 Grad Drehung ist, sondern viele kleine Schritte sind, die aufeinander aufbauen.

Hannes hat mir sehr gefallen. Ich mochte ihn von Beginn an. Die Autorin hat es sehr gut geschafft, auch den inneren Zwiespalt von Hannes darzustellen. Obwohl er Ergotherapeut ist, und damit durchaus keine Berührungsängste mit behinderten Menschen hat, ist es etwas ganz anderes, wenn es auf einmal nicht mehr nur ein Patient ist, der da vor einem steht, sondern der Mensch, in den man sich haltlos verliebt hat. Immer wieder dieses vorsichtige vortasten, wie weit er gehen kann und darf. Immer wieder auch Schüchternheit und auch Zweifel, vor allem, wenn Chris ihn erneut zurückweist.

Die Nebenfiguren in Form von Hannes Mutter, seiner besten Freundin Nicki oder den Kolleginnen aus der Praxis, sind sehr schön dargestellt. Sie haben alle bei Weitem nicht so viel Tiefe, wie Chris und Hannes, aber ausreichend, um sie sich vorzustellen und um die Geschichte voran zu treiben.

Wie gesagt, die Geschichte insgesamt fand ich sehr spannend und der Schreibstil ist ganz wundervoll. Mich hat die Liebe zwischen den beiden berührt, ich konnte sie spüren.Einen winzigen Kritikpunkt habe ich aber, weil mir eben Chris irgendwann anfing, auf die Nerven zu gehen. Hier hat es die Autorin, meiner Ansicht nach, etwas überreizt mit dem Selbstmitleid von Chris. Sicher ist sein Verhalten authentisch und im wahren Leben absolut nachvollziehbar, aber in einem Roman wandelt man ja so ein bisschen auf der Grenze zwischen Authentizität und Unterhaltung für den Leser. Die Autorin hat sich vermutlich für Authentizität entschieden, was ich grundsätzlich nicht kritisieren will, was mich aber dann am Ende doch nicht zu 100% für Chris und Hannes einnehmen konnte.

Hier bekommen wir mal wieder einen Gay Romance Romane, in dem es auch um Sex geht. Nicht wenig Sex, wenn ich es so mit meinen letzten Büchern vergleiche. Wunderschön geschriebene Passagen, die an keiner Stelle anstößig oder schlüpfrig sind. Rona Cole versteht es, gerade auch die ersten Erfahrungen zwischen Chris und Hannes zu etwas Besonderem zu machen. Auch hier schafft sie es, dem Leser die Gefühle von beiden Männern sehr nahe zu bringen. Bei Hannes auf der einen Seite die Angst, etwas falsch zu machen, aber auf der anderen Seite sein unbändiges Verlagen nach dem Mann, den er liebt. Chris Ängste, dass er kein ganzer Mann mehr ist, dass Hannes ihn nicht lieben, nicht begehren kann. Meinen Respekt vor dieser Leistung der Autorin.

Ich vergebe 4 Federn für einen Gay Romance Roman, der unheimlich lesenswert ist und den ich euch wirklich empfehlen kann.

Leider konnte ich keine weiteren Rezensionen auf Buchblogs für euch aufstöbern. Wer eine findet oder selbst geschrieben hat, darf mir gerne den Link in den Kommentaren da lassen.

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