[Rezension] Sofia Bauman (1): Die Sekte: Es gibt kein Entkommen – Mariette Lindstein

Titel: Die Sekte – Es gibt kein Entkommen
Reihe: Sofia Bauman; Band 1
Autorin: Mariette Lindstein
Verlag: blanvalet
Erscheinungsjahr: 2019
Einband: Taschenbuch
Seitenanzahl: 608
Meine Wertung: 3 Sterne
Klappentext:
Auf einer nebeligen, sturmgepeitschten Insel vor der Westküste Schwedens hat sich der charismatische Franz Oswald, Anführer der Bewegung Via Terra, mit seinen Anhängern in einem herrschaftlichen Anwesen niedergelassen. Sofia Bauman ist fasziniert von dem Mann und dem geheimnisumwitterten Ort. Als er ihr einen Job anbietet, fällt es ihr leicht alles hinter sich zu lassen. Doch Oswald entpuppt sich als sadistischer Psychopath, der Sofia zu seinem Spielzeug machen will. Sie muss fliehen, aber sie ist längst in einem dunklen Netz aus Abhängigkeit, Liebe und Gewalt gefangen …
Rezension:
Dieses Buch lag schon lange auf meinem SuB und nachdem ich gerade „Das strömende Grab“ von Robert Galbraith verschlungen habe, in dem es auch um eine Sekte ging, habe ich mich an diese Reihe erinnert und sie endlich angefangen.
„Die Sekte – Es gibt kein Entkommen“ ist ein Thriller, der etwas Zeit gebraucht hat, um richtig in Gang zu kommen. Der Einstieg ist eher ruhig, fast nüchtern, und die Spannung entwickelt sich zunächst nur langsam, wobei der Prolog durchaus einen Ausblick darauf gibt, dass es dramatisch werden wird.
Die Protagonistin Sofia Baumann habe ich zu Beginn als sehr naiv und gutgläubig empfunden. Ihr Wunsch nach Zugehörigkeit macht sie anfällig für die Versprechungen der Gemeinschaft. Sie weiß nach ihrem Studium nicht, wo sie im Leben steht und was sie beruflich machen will, was sich als gutes Einfallstor für Franz Oswald herausstellen wird.
Gerade Sofias anfängliche Unbedarftheit wirkt jedoch realistisch und trägt dazu bei, nachvollziehbar zu machen, wie leicht Menschen in sektenähnliche Strukturen hineingezogen werden können. Mit der Zeit wird deutlich, wie sehr Sofie zwischen Zweifel, Anpassung und innerem Widerstand schwankt.
Nicht ganz durchdrungen habe ich, warum ihre Freundin, die zum Auftaktvortrag der Sekte mit ihr gemeinsam geht, nicht stärker in die weitere Handlung einbezogen wird. Man sollte doch meinen, dass eine beste Freundin sich wundert, wenn jemand plötzlich den Kontakt total abbricht und stärker versucht, diesen wieder herzustellen.
Franz Oswald war sehr glaubwürdig dargestellt. Dadurch, dass wir zwischen den Kapiteln immer wieder Einblicke in seine Jugend nehmen können, baut sich seine Geschichte nach und nach auf. Der Leser weiß von Tag 1 an, dass Oswald kein guter Mensch ist und sehr mit vorsicht zu genießen. Durch die Rückblicke bekommen wir aber einen Eindruck, wie schlimm er ist. Spannend war es, zu lesen, wie sehr sich sein Inneres und sein äußeres Auftreten unterscheiden. Nur auf dem Landsitz, wo ihm niemand entkommen kann, zeigt er immer wieder sein wahres Gesicht.
Besonders gelungen fand ich die Darstellung der Mechanismen, mit denen Menschen in die Fänge einer Sekte geraten. Mir ist es nach wie vor unbegreiflich, wie man sich auf so etwas einlassen kann – und genau hier zeigt sich die Stärke des Romans. Zunächst wirkt alles harmlos, fast normal. Solange Sofia noch hätte gehen können, schien Vieles nicht wirklich problematisch. Merkwürdig, aber nicht extrem problematisch. Als es schließlich wirklich schlimm und auch sehr gefährlich wird, hat Franz Oswald bereits dafür gesorgt, dass niemand mehr gehen kann. Dieses perfide Vorgehen ist erschreckend konsequent und gut nachvollziehbar dargestellt.
Der Schreibstil von Mariette Lindstein baut die Geschichte langsam auf, bleibt dabei aber durchgehend bildhaft. Szenen, Stimmungen und Machtverhältnisse werden dem Leser sehr klar vor Augen geführt. Mit zunehmender Seitenzahl wird die Geschichte immer spannender. Es geschehen Dinge, bei denen man als Außenstehender fragt, warum die Leute nicht versuchen zu fliehen. Die Autorin schafft es aber sehr gut, die Machtverhältnisse so darzustellen, dass man nachvollziehen kann, wie Oswald es immer wieder schafft, Einzelne dazu zu bringen, für ihn die schmutzige Arbeit auszuführen. Sei es aus Angst, oder einem eigenen Machtempfinden heraus. Das ist nämlich auch sehr spannend, wie Menschen sich verändern, wenn sie plötzlich Macht zur Verfügung gestellt bekommen. Dieser Teil der Geschichte ist für mich extrem realistisch dargestellt.
Aus meiner Sicht handelt es sich um einen soliden Auftakt für eine Reihe, der sich am Anfang etwas schneller hätte entwickeln dürfen, aber bei der ich durchaus neugierig bin, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird. Ich vergebe 3 Sterne.
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