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[Alltagsworte] Kann man zu viel lesen?

Geposted am 12. August 2017 um 10:19

Aufgrund dieses (meines) Tweets vor einiger Zeit „Das hatte ich noch nie. 7 #Rezensionen, die geschrieben und in der Warteschlange für eine Veröffentlichung sind. Ich lese derzeit zu viel.“ und den darauf folgenden Antworten, dass man gar nicht „zu viel“ lesen könne, schwirrten mir die Gedanken im Kopf herum. Kann man wirklich nicht zu viel lesen?

Ich sehe das ein bisschen differenziert. Ich denke, dass es wunderbar ist, wenn man liest. Ich finde es sehr wichtig viel zu lesen und es gibt mir persönlich unheimlich viel, in fremde Welten (bzw. bei mir meist bekannte Welten, aber fremde Liebesgeschichten) abzutauchen. Aber: ich finde durchaus, dass man zu viel lesen kann und zwar in dem Moment, wo das Lesen der einzige oder einer von wenigen Lebensinhalten ist. In dem Moment, in dem man soziale Kontakte dafür vernachlässigt.

Als Kind hatte ich viele Freunde. Ich war viel draußen, habe mich mit denen getroffen. Ich habe auch da schon viel gelesen, denn bei uns zuhause wurde das Lesen immer gefördert und Bücher waren nie Mangelware. Aber, Freunde, draußen spielen, war immer wichtiger, als zu lesen. Als Jugendliche hatte ich auch Freunde, aber das nachmittägliche Treffen wurde schwieriger. Ich ging nicht mehr im selben Ort zur Schule, in dem ich auch wohnte. Die Freunde wohnten weiter weg und unsere Eltern haben damals noch nicht dauernd Taxi gespielt. Immer mehr zog ich mich mit meinen Büchern zuhause zurück. Auch in dieser Zeit habe ich wahrscheinlich nicht zu viel gelesen, aber extrem viel. Zeitweise war es rückblickend tatsächlich eine Flucht. Eine Flucht vor der Einsamkeit. Man kann sich in Bücher gut verkriechen. Zum Glück kam dann das Pferd und meine Aktivität hat sich wieder mehr nach draußen verlagert. Außerdem habe ich in der 11. Klasse tolle neue Menschen, die ich auch heute noch bzw. wieder meine Freunde nenne, kennengelernt. Treffen mit Freunden (man wurde dann ja auch irgendwann endlich mobil und hatte ein Auto) wurden wieder wichtiger.

Heute lese ich noch immer viel (sicher weniger als andere Leser, aber wohl mehr als der Durchschnitt der Menschheit). Aber, ich brauche Bücher nicht mehr, um vor irgendetwas zu flüchten. Mir macht es heute einfach Spaß, mich mit einem guten Buch aufs Sofa zu lümmeln, genauso wie andere Menschen den Fernseher anschalten oder nähen, stricken, basteln, was auch immer man so als Hobby haben kann. Genau das ist lesen für mich heute. Ein Hobby. Nicht mehr und nicht weniger. Bücher sind nicht mein Lebensinhalt, aber trotzdem ein wichtiger Teil in meinem Leben.

Heute denke ich aber schon, dass die Flucht in die Bücherwelt ein „zu viel“ werden kann. In dem Moment, in dem man die sozialen Kontakte vernachlässigt.

In meinen Augen gibt es nichts Wichtigeres auf der Welt, als Familie und Freunde. Ich weiß aber auch, dass ich dazu neige, mich auf meinem Sofa einzuigeln, mit einem guten Buch und Freundschaften dann zu vernachlässigen. Und das ist nicht gut!

Michael Patrick Kelly hat gerade einen wunderbaren Song herausgebracht „Friends are Family“, in dem er singt: „Friends are the Family that you choose“. Und genau das ist es. Ich habe keinen großen Freundeskreis, aber ich liebe die Wenigen, die ich mir bewusst ausgesucht habe und die sich auch mich hoffentlich bewusst ausgesucht haben (Sandra und Familie, Kerstin und Christoph, Michi, Andi, falls ihr hier mitlest, ihr wisst hoffentlich, dass ihr gemeint seid – ich hab euch lieb!). Bücher sind wunderbar, aber Freunde sind einmalig. In der Zeit der Trennung vor 2 1/2 Jahren, da konnte ich mich zu 100% auf sie verlassen und auch sie wissen, dass sie sich jederzeit auf mich verlassen können, wenn Not am Mann ist. Meine Familie und meine Freunde waren da für mich, mehr als es Bücher (verständlicherweise) jemals sein können. Von daher: Ja, ich für mich kann sagen, dass es (und ich rede hier wirklich nur für mich) ein „zu viel“ lesen gibt. In dem Moment, in dem ich ganz in die Bücher versinke, mich weniger mit Freunden treffe, weil ich unbedingt noch dieses oder jenes Buch lesen muss. In dem Moment wird es für mich ein „zu viel“.

Ich glaube, dass dies der persönlichste Beitrag ist, den ich jemals geschrieben habe. Ich war wirklich unsicher, ob ich ihn veröffentliche, oder nicht und er hat lange als Entwurf geschlummert. Vielleicht ist das auch alles ein bisschen ungeordnet, da ich geschrieben habe, wie es mir im Kopf herumspukte.

Aber… auch das bin ich und von daher geht das nun online.

An dieser Stelle ein riesengroßer Dank an meine wunderbare Familie und meine tollen Freunde.

„Friends are Family“.

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