5 Sterne,  Gehört 2026,  Rezensionen

[Rezension] Hörbuch: Pina fällt aus – Vera Zischke

Rezension, Hörbuch, Audio Verlag München, Vera Zischke

Titel: Pina fällt aus
Reihe: Einzelband
Autorin: Vera Zischke
Sprecherin: Elisabeth Günther
Verlag: Audio Verlag München
Erscheinungsjahr:
Einband:
Seitenanzahl:
Meine Wertung: X Sterne

Klappentext:

Als Pina mitten auf der Straßenkreuzung zusammenbricht, hat sie nur einen Gedanken: Wer kümmert sich jetzt um Leo? Ihr Sohn ist zwanzig Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, die außer ihm nur Pina kennt. Morgens verlässt er das Bett erst, wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe aufsteigt. Wenn er Treppen geht, dann in seinem eigenen Rhythmus: immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück. Die übrigen Hausbewohner verstehen den merkwürdigen Jungen nicht. Die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, der resignierte Einsiedler Wojtek und die lebensmüde Seniorin Inge haben mit sich selbst schon genug zu tun. Doch jetzt liegt Pina auf der Intensivstation und Leo ist zum ersten Mal allein in der Wohnung. Die Nachbarn sind in Schockstarre. Sie können doch wohl nicht zuständig sein! Aber Leo braucht sie. Und während diese ungewöhnliche Truppe durch einen völlig neuen Alltag stolpert, realisiert jeder Einzelne von ihnen: Sie brauchen Leo auch.

Rezension:

Pina fällt aus von Vera Zischke liegt eigentlich ein wenig außerhalb meines üblichen Lesegenres. Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich durch eine Freundin, deren Lesekreis es gelesen hat. Ohne ihre Empfehlung hätte ich wahrscheinlich nie zu diesem Roman gegriffen – und das wäre wirklich schade gewesen. Ich habe ihn übrigens als Hörbuch gehört und fand die Sprecherin, Elisabeth Günther wirklich Klasse.

Mich hat die Geschichte von der ersten Seite an begeistert. Die Figuren sind so liebevoll und authentisch gezeichnet, dass man schnell das Gefühl bekommt, mitten in ihrem Leben zu stehen. Dabei könnten sie unterschiedlicher kaum sein, und doch wachsen sie im Laufe der Geschichte auf ganz besondere Weise zusammen. Ich muss gestehen, dass ich noch jetzt beim Schreiben der Rezension Gänsehaut bekomme, wenn ich an die Dynamik der Figuren untereinander denke und dabei ist es schon eine ganze Weile her, dass ich das Buch gelesen habe. Gerade bei Jugend-Fantasy-Büchern habe ich manchmal das Gefühl, wenn ich die Rezension schreibe, dass ich schon die Hälfte wieder vergessen habe. Ja, die Geschichte war gut, sie hat mich unterhalten, aber sie hallt nicht nach. Das ist her anders. Diese Geschichte bleibt definitiv hängen und lange im Kopf.

Im Mittelpunkt steht Leo, ein junger Mann mit Autismus, der allein mit seiner Mutter Pina lebt. Als diese unerwartet ins Krankenhaus kommt und im Koma liegt, bricht für Leo seine vertraute Welt zusammen. Niemand weiß so genau, wie man mit ihm umgehen soll, und auch Leo selbst wird in eine Situation geworfen, auf die er nicht vorbereitet ist. Anfangs fiel es mir als Leserin fast genauso schwer, Leo zu verstehen wie den Menschen in seinem Umfeld. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr erschließen sich seine Eigenheiten und seine Sicht auf die Welt. Irgendwann habe ich ihn richtig ins Herz geschlossen und mit großer Freude verfolgt, wie er Stück für Stück über sich hinauswächst und von den anderen Hausbewohnern die Unterstützung bekommt, die er benötigt.

Mein persönlicher Lieblingscharakter war allerdings Zola. Mit ihren 16 Jahren, als Schulabbrecherin und von ihren Eltern mehr oder weniger abgeschoben, wirkt sie zunächst verschlossen, wütend und voller Ablehnung gegenüber allem und jedem. Gerade deshalb fand ich ihre Entwicklung besonders berührend. Sie ist die Erste, die sich wirklich auf Leo einlässt, ihn aufmerksam beobachtet und versucht, ihn zu verstehen, statt ihn verändern zu wollen. Dabei zeigt sie, wie viel Herz, Mitgefühl und Stärke tatsächlich in ihr steckt. Außerdem beweist sie dabei eine tolle Beobachtungsgabe und unglaublich viel Geduld. Sie ist es auch, die sich im weiteren Verlauf des Buches für Leo uns seine Rechte und Wünsche einsetzt. Dabei vergisst man fast, dass sie erst 16 Jahre alt ist. Sie ist einfach großartig in ihrem ganzen Wesen und ihrem Mut.

Auch Inge, die verwitwete Nachbarin, ist mir sehr ans Herz gewachsen. Sie verlässt ihre Wohnung seit langer Zeit nicht mehr und wird durch Pinas Ausfall plötzlich mit einer Verantwortung konfrontiert, die sie sich nie ausgesucht hätte. Zu beobachten, wie auch sie sich im Laufe der Geschichte verändert, hat mir sehr gefallen. Ob sie ihre Wohnung irgendwann doch wieder verlässt, möchte ich an dieser Stelle allerdings nicht verraten. Lest unbedingt die Geschichte, dann erfahrt ihr es.

Am blassesten blieb für mich Wojtek. Er hat durchaus seinen Platz in der Geschichte und trägt seinen Teil dazu bei, dennoch konnte ich zu ihm nie eine so enge Verbindung aufbauen wie zu den anderen Figuren.

Für mich lebt dieses Buch von seinen Charakteren. Es erzählt von Gemeinschaft, Vorurteilen, Verantwortung und davon, wie Menschen über sich hinauswachsen können, wenn das Leben sie dazu zwingt. Trotz ernster Themen strahlt die Geschichte viel Wärme und Hoffnung aus.

Von mir gibt es dafür ganz klar 5 Sterne. Ein Roman mit wunderbaren Figuren, die mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben werden. Ich kann euch dieses Buch nur ans Herz legen. Ein Highlight meines Lesejahres 2026.

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Kritisch setzt sich folgende Rezension mit dem Buch auseinander. Mir hat das nochmal anders die Augen für die Geschichte geöffnet, da ich gestehen muss, dass ich diese Kritikpunkte sie nicht wahrgenommen habe beim Lesen, sie aber gut nachvollziehen kann: Inklusion statt Integration

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