[Rezension] Halbinsel – Kristine Bilkau

Titel: Halbinsel
Reihe: Einzelband
Autorin: Kristine Bilkau
Verlag: Luchterhand
Erscheinungsjahr: 2025
Einband: Hardcover
Seitenanzahl: 221
Meine Wertung: 5 Sterne
Klappentext:
Eine Halbinsel im nordfriesischen Wattenmeer. Hier, an der Nordsee, lebt Annett, Ende vierzig, seit vielen Jahren, hier hat sie nach dem frühen Tod ihres Mannes ihre Tochter Linn allein großgezogen. Linn, Mitte zwanzig, ist nach dem Abitur voller Energie in die Welt gezogen, hat sich in schwedischen und rumänischen Wäldern als Umweltvolontärin engagiert, arbeitet für ein Aufforstungsprojekt. Für Annett ist ihre Tochter die Verkörperung von Hoffnung, Sinn und Zukunft. Doch auf einer Tagung, während eines Vortrags kippt Linn um, Kreislaufzusammenbruch, Erschöpfung. Annett holt sie für eine Woche zu sich nach Hause, ans Meer, nahe Husum. Aus einer werden zwei, dann drei Wochen, dann Monate. Zerrieben zwischen Leistungsdruck und Sinnsuche, scheint Linn mit Mitte Zwanzig an einem Nullpunkt. Annett fühlt sich hilflos angesichts der Antriebslosigkeit ihrer Tochter. Mit der Zeit brechen Konflikte auf, zwischen Mutter und Tochter, aber auch zwischen zwei Generationen. Die eine muss die Lebenswirklichkeit der anderen neu verstehen lernen.
Rezension:
Das Buch wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2025 ausgezeichnet. Bevor die Leipziger Buchmesse 2026 startet und es damit neue Preisträger zu lesen gilt, möchte ich euch noch Halbinsel von Kristine Bilkau ans Herz legen.
Das Buch hat mich tatsächlich von der ersten Seite in seinen Bann gezogen, obwohl die Autorin in ihrem Roman eine sehr ruhige Erzählweise an den Tag legt. Der Roman lebt von genauen Beobachtungen und einer klaren Sprache, die ohne große Ausschmückungen auskommt und gerade deshalb so eindrücklich wirkt.
Ich konnte die Gedanken und Handlungsweisen beider Figuren gut nachvollziehen. Einerseits hat man Mitleid mit Linn, deren Leben komplett aus dem Ruder gelaufen zu sein scheint, und die sich zu nichts aufraffen kann. Andererseits konnte ich auch mit Annett gut mitfühlen. Obwohl sie selbst solche Phasen in ihrem Leben kennt, geht ihr Linns Passivität irgendwann auf die Nerven. Ich glaube, dass es eine Mischung aus Verzweiflung ist, weil man als Mutter nur das Beste für sein Kind möchte, aber auch Resignation, weil man selbst sein Leben irgendwann wiederhaben möchte. Ich habe mich selbst beim Lesen oft gefragt, wie lange es wohl gut gehen würde, wenn meine Mutter und ich wieder unter einem Dach leben würden – so gut wir uns auch verstehen, vermutlich nicht lange…
Besonders gelungen fand ich, wie die Autorin kleine Alltagsmomente nutzt, um innere Entwicklungen der Figuren sichtbar zu machen.
Auch die Landschaft ist sehr präsent, liegt Husum doch quasi bei mir um die Ecke. Die Landschaft und ihre Bewohner bilden einen stimmigen Hintergrund für die Geschichte. Sachlich norddeutsch, so wie wir eben sind.
Insgesamt ist „Halbinsel“ ein Buch der leisen Töne, sehr schön geschrieben, dass mich durch die klare Auseinandersetzung mit dem Thema Mutter-Tochter-Beziehung, aber auch den Fragen es Lebens, wohin man eigentlich gehört, sehr beeindruckt hat.
Von mir eine Leseempfehlung und 5 Sterne.
Weitere Rezensionen findest du bei:
Die Schreibmaschine
Falls du übrigens Lust hast, empfehle ich dir meine Beiträge zur Buchmesse in Leipzig 2025. Ich freue mich schon jetzt auf die LBM 2026.
[LBM2025] Leipziger Buchmesse – Freitag, 28.03.2025
[LBM2025] Leipziger Buchmesse – Samstag, 29.03.2025
[LBM2025] Leipziger Buchmesse – Sonntag, 30.03.2025