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[Nostalgie] Henrike von WatchedStuff erinnert sich…

Geposted am 18. Dezember 2017 um 14:30

Und wieder hat sich eine mutige Bloggerin meinen Fragen für die kategorie Nostalgie gestellt und erinnert sich an ihr liebstes Kinderbuch erinnert. Bei Henrike findet ihr auf dem Blog WatchedStuff Geheimtipps rund um Bücher, Film, Fernsehen und Musik. Viele wunderbar geschriebene Rezensionen und Filmkritiken. Wenn ihr also Leseratten und Film-Fans seid, dann seid ihr bei WatchedStuff genau richtig. Ich freue mich sehr, dass Henrike sich die Zeit genommen hat, sich so ausführlich meinen Fragen zu stellen.

Nun aber los!

Welches war dein liebstes Kinder- oder Jugendbuch?

Ich habe früher die Kinderbuchreihe um „Putzi“ von Hildegard Diessel aus dem Fischer Verlag immer und immer wieder gelesen. Die Bücher gehörten früher meiner Mutter, sie sind also schon ein paar Tage alt. Es gibt zu viele Bände, als dass ich sie noch alle genau in Erinnerung hätte, aber ich habe sie geliebt. Die einzelnen Bände hatten Titel wie „Putzi kann so bleiben“, „Putzis Tiergarten“, „Putzi in Gefahr“, „Putzi rettet Hundekinder“, „Putzis Bande“, „Putzi als Pfadfinderin“ und so viele mehr. Ich glaube, ich habe nie alle Bände gelesen, aber die, die ich hatte, sind oft durch meine Hände gewandert.

Worum ging es in diesem Buch?

Putzi ist ein junges Mädchen, das mich rückblickend sehr an Pippi Langstrumpf erinnert. Sie ist frech, mutig und steht für die Schwachen und Kleinen ein. Dabei erlebt sie in jedem Band neue Abenteuer und wächst mit ihren Aufgaben, lernt neue Freunde kennen und spielt immer wieder ihre Streiche. In einem der Klappentexte heißt es sehr treffend: „Eigentlich heißt sie gar nicht Putzi, sondern Petra-Ulrike. Aber diesen Namen mag sie nicht. Wie soll man auch einen Namen mögen, mit dem man nur gerufen wird, wenn man etwas ausgefressen hat? Und das ist oft genug der Fall. Nein, Putzi passt da schon viel besser zu ihr. Denn was Putzi alles einfällt, darauf würde Petra-Ulrike nie kommen. Meistens gehen Putzis witzige Streiche gut aus. Manchmal aber auch nicht. – Dennoch muss jeder Putzi gern haben.“ (Quelle: Amazon)

Warum hast du es geliebt?

Ich war selbst ein kleiner Wildfang mit Ecken und Kanten und habe es geliebt, über ein Mädchen zu lesen, das genau wie ich von den doofen Erwachsenen einfach nie verstanden wurde. 😉 Spaß beiseite: Es waren Geschichten voller Abenteuer und Freundschaft, voller Neugier auf die Welt und nie war die Freude am Leben zu übersehen. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich die einzelnen Bände gelesen habe.

Hast du es noch in deinem Regal stehen?

In meinem Regal ist neben all den Büchern, die mich im Hier und Jetzt beschäftigen, einfach kein Platz für all meine alten Kinderbücher, aber ich habe sie noch in Kartons auf dem Dachboden stehen. Sie werden auch nicht weggegeben, Putzi und all meine anderen Kameraden wird immer bei mir bleiben. Tatsächlich habe ich auf Flohmärkten, wenn ich diese Bücher irgendwo liegen sehe, immer den Drang sie mitzunehmen. Dann rufe ich daheim an und erkundige mich bei meiner Mutter oder meinen Schwestern, ob sie diesen oder jenen Titel kennen, ob wir das Buch schon haben oder ob ich es sicherheitshalber mitnehmen soll. Das geht mir bei vielen Büchern so, auch bei alten Ausgaben von „Hanni und Nanni“ oder „Trixie Belden“, „Bille und Zottel“, den „Jungen von Burg Schreckenstein“ und all den anderen Schneiderbuch-Helden. 🙂 Eigentlich müsste ich diese Bücher auch alle bei der ersten Frage oben nennen, aber ich sollte mich ja auf eines festlegen … Wie fies! 😉

Glaubst du, dass dieses Buch auch heute noch Kinder begeistern kann?

Grundsätzlich ja. In aktuell erscheinenden Kinderbüchern geht es ja auch immer wieder um Abenteuergeschichten und Protagonisten, mit denen sich das Kind identifizieren kann. Nicht ohne Grund werden – ich wage es mal, sie als Klassiker zu bezeichnen – Klassiker wie „Hanni und Nanni“ zum xten Mal aufgelegt und immer noch geliebt. Ich erinnere mich allerdings, dass in einem Band der Begriff Neger auftauchte – schließlich war diese Bezeichnung damals vollkommen normal. Mir war klar, dass man das so nicht mehr sagt und auch nicht mehr sagen darf, weil ich eine entsprechende Erziehung genießen durfte. Ich wusste also, als ich die Bücher gelesen habe, was diese Bezeichnung bedeutet und was man heute dazu sagt. (Übrigens: Die Bezeichnung fällt nicht im negativen Sinn. Putzi hält sich in Afrika auf und lernt dort einen neuen, dunkelhäutigen Freund kennen. Das N-Wort ist ganz selbstverständlich eingesetzt und trägt absolut keine Wertung mit sich – sofern ich mich richtig erinnere.) Natürlich können diese Bücher auch heute noch Kinder begeistern, aber entweder muss die Sprache in einer Neuauflage angepasst werden – was ich sehr schade fände, denn vermutlich ginge so irgendwie der Charme verloren -, oder es muss gewährleistet werden, dass die Kinder erkennen können, welche Begriffe oder Gegebenheiten nicht mehr aktuell sind. Da ich aber glaube, dass die heutige Gesellschaft durchaus so weit ist, kann ich mir gut vorstellen, dass die Bücher auch heute noch Kinder unterhalten können.

Ich arbeite gelegentlich in einer Bibliothek und bekomme so mit, welche Bücher bei den Kindern gut ankommen. Es wimmelt von „Star Wars“ und den „Drei ???“ bei den Jungs und von „Mia & Me“ (Mehr Rosa geht nicht – sogar die Schrift in den Büchern ist pink!!) bei den Mädchen im Grundschulalter. Natürlich gibt es Abweichungen von diesen Reihen und auch Kinder, die nach vollkommen anderen Geschichten greifen, aber die erfolgreichsten Kinderbuchreihen sind in unserer Bibliothek diese drei. Neben all diesen neuen, grellbunten und aufregenden Geschichten fiele es den alten Putzi-Büchern vermutlich schwer, die Aufmerksamkeit der Kinder zu erlangen. Doch wenn jemand die Bücher bemerkt, kann ich mir gut vorstellen, dass das Kind seine Freude damit hat. Ich werde sie meinem Neffen zeigen, wenn er soweit ist. Mal gucken, was er dazu sagt. 🙂


Ich kenne Putzi und habe die Bücher definitiv auch geliebt. Ganz herzlichen Dank an Henrike, dass du dich so intensiv damit auseinandergesetzt hast, ob Kinder die Bücher heute noch lieben könnten. Ich stimme dir zu, dass man die Bücher wahrscheinlich an die heutige Sprache anpassen müsste. Ich selbst tue mich sehr schwer damit so etwas zu unterstützen. Selbstverständlich benutzt man einige Wörter heute nicht mehr, weil sie abwertend zu verstehen sein könnten, aber für mich geht mit der Modernisierung der alten Kinder- und Jugendbücher auch immer ein Stück dessen verloren, was der Autor hinein gegeben hat. Dann die Bücher lieber doch langsam verschwinden lassen, als sie zu verändern, finde ich.

Die Bücher gibt es heute nur noch antiquarisch zu kaufen.

Ich danke Henrike ganz herzlich für das tolle Interview. Hüpft jetzt doch gerne mal rüber zu WatchedStuff. Ihr findet sie auch auf Twitter und Instagram

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